Chris Argyris und Donald Schön als Begründer dieser eigenständigen Forschungsrichtung definierten 1978 Organisationales Lernen zunächst als "die Erkennung und Korrektur von Fehlern". Dies deckt sich weitgehend mit ihrem Verständnis des Lernens erster Ordnung.
Abb. 1: Lernen erster Ordnung
Im Laufe der Zeit wurde die Definition weiterentwickelt. Fiol und Lyles verstanden 1985 Lernen als "den Prozess des Verbesserns von Aktivitäten durch besseres Wissen und Verstehen". Dodgson erklärte 1993 Organisationales Lernen als einen Prozess, der das Ziel hat, die Fähigkeit der Organisationsmitglieder zu erhöhen, die Organisation und ihre Umwelt zu verstehen und zu beeinflussen sowie die Qualität der Entscheidungen zu verbessern, um das Überleben der Organisation zu sichern. Diese Definition ist in den Folgejahren auch bei anderen Autoren im Wesentlichen weiter gebräuchlich geblieben. Deutlich wird, dass spätere Definitionen die Erkenntnisse der kognitiven Lerntheorie aufnehmen, wonach Lernen auch möglich ist ohne (sichtbare) Verhaltensänderung. Kognitionen (Meinungen, Werturteile, Präferenzen etc.) können sich ändern, ohne dass sie sich als Verhaltensänderung dokumentieren müssen.
Eine Lernende Organisation ist dann eine Organisation, die Struktur, Kultur und Strategie auf die Maximierung des Potenzials für Organisationales Lernen ausrichtet.
Das Lernen erster Ordnung nach Argyris und Schön ist unschwer als Controllingkreislauf zu identifizieren, sodass die Implementierung der neuen Managementsysteme wie NKHR diesen Teil des Lernens optimal unterstützt. Dabei ist nicht nur der finanzwirtschaftliche Aspekt Treiber dieser Entwicklung, sondern auch "[d]er Trend hin zu evidenzbasierter Politikgestaltung auf Basis empirischer Befunde".
Diese relativ einfache Form des Lernens wird bei March vor allem auf die inkrementelle Verbesserung des Status quo bezogen und als Exploitation bezeichnet: Die Verbesserung bestehender organisatorischer Prozeduren, um effektiver zu werden, oder Total Quality Management sind typische Ergebnisse solcher Lernprozesse.
2.1 Lernen unabhängig von Personen machen
Da die Organisation vor allem aus Individuen besteht, müssen diese die Formate und Prozesse etablieren, um organisatorisches Lernen zu initiieren. Organisatorisches Lernen ist aber mehr als die Summe der Teile des individuellen Lernens.
Ziel ist es, dass eine Organisation ihre Lernfähigkeit auch dann erhält, wenn Mitglieder die Organisation verlassen. Es geht also um die Ausbildung eines organisatorischen Gedächtnisses. Lernende Organisationen beeinflussen daher nicht nur ihre aktuellen Mitglieder, sondern auch die zukünftigen Mitglieder, denen die Mythen der Organisation, die Erfahrungen und (informellen) Normen tradiert werden. Dabei steht neben dem Lernen, also dem Aufnehmen und Verarbeiten neuer Information, auch das Verlernen redundant gewordener Verhaltensweisen, deren Aufrechterhaltung sich unter veränderten Bedingungen sogar schädlich auswirken könnte.
Innovation im Sinne des Ausprobierens neuer Ansätze und Verhaltensweisen wird bei March als Exploration bezeichnet. Dies schließt auch das Experimentieren mit neuen organisatorischen Formen und Vorgehensweisen, um die Umwelt zu beeinflussen, ein, wie die Bildung strategischer Netzwerke oder Produktteam-Strukturen.
2.2 Lernen im Kehler Management-System
Am Beispiel der Einführung des NKHR mittels des Kehler Management-Systems (KMS) lässt sich die Vorgehensweise zum Auffinden von Verbesserungspotenzialen im Sinne der Exploitation sowi...