Josef Mitterpleininger, Dipl.-Finw. (FH) Sebastian Gruber
Verwaltungsanweisungen:
BMF v 25.06.2008, BStBl I 2008, 682 (EU-Agrarreform, ertragsteuerliche Folgen) unter Berücksichtigung der Änderungen durch BMF v 13.10.2008, BStBl I 2008, 939 und BMF v 13.12.2016, BStBl I 2017, 33 (Anwendung des BFH v 21.10.2015).
1. Rechtsgrundlagen, Inhalt der neuen Beihilferegelungen
Rn. 240
Stand: EL 178 – ET: 01/2025
Das Recht über Beihilfen in der LuF wurde durch die EU iRd Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP-Reform) ab 2005 in wesentlichen Bereichen neu geregelt (EG VO 1782, 2003). Die EU-rechtlichen Vorgaben wurden durch das BetriebsprämiendurchführungsG und durch die sog BetriebsprämiendurchführungVO in nationales Recht umgesetzt. Kernelemente der Reform der GAP sind die Entkoppelung der Direktzahlungen von der Produktion, die Verknüpfung von Standards in Bereichen Umwelt- und Tierschutz sowie Lebens- und Futtermittelsicherheit mit Direktzahlungen (Cross Compliance) und die Bereitstellung von Mitteln für Maßnahmen zur Förderung der ländlichen Entwicklung (Modulation).
Mit Wirkung vom 01.01.2005 wurde der größte Teil der bisher als Flächen- und Tierprämien gewährten Direktzahlungen von der landwirtschaftlichen Produktion entkoppelt mit der Folge, dass zu diesem Stichtag eine Vielzahl der bisherigen Direktzahlungen weggefallen sind. An ihre Stelle trat die sog einheitliche Betriebsprämie in Form von sog Zahlungsansprüchen (ZA). Um Zahlungen iRd Betriebsprämienregelung erhalten zu können, muss der Betriebsinhaber über entsprechende ZA verfügen. Der ZA wird flächenabhängig (je ha) gezahlt; er steht grundsätzlich dem Betriebsinhaber, bei verpachteten Flächen also dem Pächter, zu.
Für die Berechnung der zuzuweisenden ZA und deren betragsmäßige Höhe sind die betriebsindividuellen Bewirtschaftungsverhältnisse am 15.05.2005 bzw 15.05.2015 maßgeblich. Jeder einzelne ZA erhält eine eigene Registriernummer; sie sind grundsätzlich ohne Flächenbindung veräußerbar, während eine Verpachtung jeweils nur mit der dazugehörigen Fläche statthaft war; ab 2015 ist erstmals eine Verpachtung der ZA auch ohne Flächenbindung möglich.
Rn. 241
Stand: EL 178 – ET: 01/2025
Mit VO EG vom 14.02.2008, Nr 146/2008 wurden die Regelungen über die Zahlungsansprüche bei gleichbleibenden Voraussetzungen für den Zeitraum 2010–2014 verlängert.
Rn. 242
Stand: EL 178 – ET: 01/2025
IRd VO EU 1307/2013 wurde eine neue Agrarreform (2015) verabschiedet; die Umsetzung in nationales Recht ist noch in 2014 erfolgt durch das DirektzahlungsdurchführungsG, die DirektzahlungsdurchführungsVO, die InVeKoSVO, das Agrarzahlungen-VerpflichtungsG und die dazugehörige Agrarzahlungen-VerpflichtungsVO. Nach Art 21 Abs 2 VO EU 1307/2013 verlieren die aufgrund des Antrags 2005 zugeteilten Zahlungsansprüche ihre Gültigkeit; von der in Art 21 Abs 3 VO EU 1307/2013 vorgesehenen Fortführungsmöglichkeit hat die BRD keinen Gebrauch gemacht. Die neuen Zahlungsansprüche werden mit dem Agrarantrag zum 15.05.2015 zugeteilt.
Die GAP für den Förderzeitraum 2015–2022 führt bislang bewährte Förderinstrumente fort, bringt aber auch neue Systeme der Einkommensunterstützung und Sicherheitsnetze, zB die sog Junglandwirteförderung.
Die bisherige Förderperiode ist sodann letztendlich zum 31.12.2022 ausgelaufen. Durch die EU VO 2021/2115 "GAP-Strategieplan-Verordnung" und EU VO 2021/2116 "Verordnung über horizontale Fragen und Finanzreglungen" wurden die bisherigen EUVerordnungen 1305/2013 und 1307/2013 aufgehoben, und die Mitgliedsstaaten mussten die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen in einen nationalen Strategieplan umsetzen. Die bisherigen Zahlungsansprüche verlieren damit zum 31.12.2022 ihre Gültigkeit.
Der nationale GAP-Strategieplan vom 29.09.2023 (Version 4.0) bildet die rechtliche Grundlage für die Ausgestaltung der Förderperiode 2023–2027 in Deutschland. In Deutschland hat der GAP-Strategieplan einen "hybriden Charakter". Die 1. Säule (Europäischer Garantiefonds für die Landwirtschaft, EGFL) mit den Direktzahlungen, der erweiterten Konditionalität, dem Integrierten Verwaltungs- und Kontrollsystem sowie den Förderungen in bestimmten Sektoren wird für ganz Deutschland wesentlich und einheitlich durch Bundesgesetze und/oder -verordnungen festgelegt. Die Umsetzung liegt in fast allen Bereichen in der Verantwortung der Länder.
Die Ausgestaltung, nationale Mitfinanzierung und Umsetzung der 2. Säule (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums, ELER) liegt in der Verantwortung der Länder.
Zu den nationalen Regelungen zählen:
- folgende Gesetze:
- GAP-Direktzahlungen-Gesetz (GAPDZG)
- GAP-Konditionalitäten-Gesetz (GAPKondG)
- GAP-Integriertes Verwaltungs- und Kontrollsystem-Gesetz (GAPInVeKoSG)
- Marktorganisationsgesetz (MOG)
- InVeKoS-Daten-Gesetz (InVeKoSDG)
- Agrar- und Fischereifonds-Informationen-Gesetz (AFIG)
- folgende Verordnungen:
- GAP-Direktzahlungen-Verordnung (GAPDZV)
- GAP-Konditionalitäten-Verordnung (GAPKondV)
- GAP-InVeKoS-Verordnung (GAPInVeKoSV)
- Agrar- und Fischereifonds-Informationen-Verordnung (AFIVO)
- GAP-Ausnahmen-Verordnungen (GAPAusnV)
2. Ertragsteuerliche Behandlung der Ansprüche
Rn. 243
Stand: EL 178 – ET: 01/2025
Jeder einzelne Zahlungsanspru...