3.1 Technische Details und Voraussetzungen

Tragfähigkeit

Ein Balkonkraftwerk kann von vornherein nur montiert werden, wenn die Balkonbrüstung ausreichend tragfähig ist. Ein Solarmodul mit einer Leistung von 400 Watt hat einschließlich Wechselrichter und Montagematerial ein Gewicht von ca. 20 bis 25 Kilo. Um die derzeit höchstmögliche Solarenergie von 800 Watt[1] zu gewinnen, bedarf es 2 Solarmodulen, womit sich das Gewicht auf ca. 40 bis 50 Kilo verdoppelt.

 
Praxis-Tipp

Überprüfung durch Fachkraft

Der Vermieter sollte vor Erteilung einer Erlaubnis zur Montage eines Balkonkraftwerks durch den Mieter die Tragfähigkeit der Balkonfront prüfen lassen. Insoweit können Mieter und Vermieter vereinbaren, dass der Mieter eine Bestätigung eines geeigneten Fachbetriebs einholt oder aber dies der Vermieter auf Kosten des Mieters tut.

Steckerverbindung

Bezüglich der Steckerverbindungen sind Schuko-Stecker grundsätzlich ausreichend. Der VDE hat sich zwischenzeitlich von seinen strengen Anforderungen hinsichtlich des Zwangs zum Anschluss über einen "Wieland-Stecker" verabschiedet und arbeitet eine neue Richtlinie aus, wonach der Anschluss von Balkonkraftwerken bis 800 Watt über eine Schuko-Steckdose ausreichen wird. Ist ohnehin bereits ein ausreichend dimensionierter Stromkreis mit Steckdose auf dem Balkon vorhanden, kann das Balkonkraftwerk nach VDE-AR-N-4105 vom Mieter direkt genutzt werden, also in aller Regel mittels handelsüblicher Schuko-Steckdose.

Wechselrichter aus "Fern-Ost" derzeit wohl nicht unproblematisch

Grundsätzlich muss das Steckersolargerät dem Sicherheitsstandard der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie entsprechen. Zumindest derzeit sollte daher vermieden werden, Steckersolargeräte zu verwenden, die insbesondere mit dem Wechselrichter "Deye SUN600G3" ausgestattet sind, der nicht den deutschen Sicherheitsvorschriften genügt. Diese sollten nach Ansicht der Bundesnetzagentur vorübergehend vom Netz genommen werden. Deye ist insoweit nicht irgendein Produzent auf diesem Gebiet, sondern hat laut eigener Angaben des Unternehmens, das an der Shanghaier Börse notiert ist, im Jahr 2022 weltweit über eine Million Wechselrichter unterschiedlichster Bauweise verkauft. Wie viele es in Deutschland sind, ist nicht bekannt, aber es dürften mehrere Tausend sein. Die Angabe des Herstellers des Wechselrichters ergibt sich insoweit aus der Produktbeschreibung des Balkonkraftwerks.

Neigungswinkel

Zu beachten ist weiter, dass die Sonnenkollektoren in aller Regel mit einem Neigungswinkel ausgestattet sind, der es ermöglicht, das Sonnenlicht bestmöglich zu nutzen. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass es zu einer teilweisen Verschattung der darunterliegenden Wohnung kommen kann, was es natürlich zwecks Vermeidung eventueller Minderungsansprüche anderer Mieter oder aber auch Unterlassungsansprüchen von anderen Wohnungseigentümern im Fall der vermieteten Eigentumswohnung zu vermeiden gilt. Des Weiteren können Balkonkraftwerke mit ausgestelltem Neigungswinkel das Anleitern der Feuerwehr verhindern, sodass für diesen Fall ein Freiraum von ca. 1,20 m am Balkon vorhanden bleiben sollte.

Blendwirkung

Im Einzelfall kann von einem Balkonkraftwerk auch eine Blendwirkung ausgehen, abhängig vom konkret verbauten Modell. Auch eine solche ist freilich zu vermeiden, um sich als Vermieter nicht entsprechenden Beseitigungsansprüchen gestörter Grundstücksnachbarn ausgesetzt zu sehen. Der Vermieter sollte also stets darauf achten, dass sein Mieter ein Modell verbaut, von dem eine Blendwirkung nicht ausgeht.

3.2 Stromzähler

Nach § 10a Abs. 3 EEG dürfen Steckersolargeräte vorläufig auch dann in Betrieb genommen werden dürfen, wenn noch kein Stromzähler mit Rücklaufsperre vorhanden ist. Die Netzbetreiber sind insoweit nach § 10a Abs. 2 EEG nach Mitteilung seitens der Bundesnetzagentur verpflichtet, derartige Zähler durch eine moderne Messeinrichtung als Zweirichtungszähler oder ein intelligentes Messsystem entsprechend den Regelungen des Messstellenbetriebsgesetzes auszutauschen. Einer gesonderten Beauftragung durch den Anschlussnehmer oder Anschlussnutzer bedarf es also nicht. Die Anlage kann also übergangsweise hinter jedem vorhandenen Zählertyp betrieben werden, einschließlich rückwärtsdrehender Ferrariszähler. Ein dauerhafter Betrieb der Balkon-PV-Anlage hinter rückwärtsdrehenden Zählern ist somit nicht möglich. Es soll lediglich ermöglicht werden, das Steckersolargerät schon vor dem ggf. erforderlichen Zählerwechsel anschließen zu dürfen. Das allein ist auch sinnvoll, da es angesichts der doch überschaubaren Kapazität von Balkonkraftwerken nur in seltenen Fällen dazu kommen dürfte, dass sich der Stromzähler rückwärts dreht.

3.3 Versicherung

Der Vermieter hat zu beachten, dass die das Gebäude betreffende Verkehrssicherungspflicht grundsätzlich ihm obliegt, soweit es sich nicht um einen vermietenden Wohnungseigentümer in einer Wohnungseigentümergemeinschaft handelt. In diesem Fall obliegt die Pflicht zur Verkehrssicherung der Gemeinschaft der Wohnungseigentümer. Diese würde aber die Gestattung der Mon...

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