Mitarbeiter an die Hand zu nehmen und zu beraten ist eine der Aufgaben, die eine Transfergesellschaft in der Praxis übernimmt. Grundsätzlich gibt es hier zwei unterschiedliche Vorgehensweisen: Einzel- und Gruppenberatungen, wobei letztere verbreiteter ist. Im Idealfall werden in intensiven Einzelgesprächen die beruflichen Kompetenzen, Stärken, Schwächen und Ziele des Einzelnen ermittelt und in eine realistische Berufswegeplanung umgesetzt. Dabei wird natürlich auch die Eigeninitiative der Betroffenen gestärkt.

Dabei ist zu berücksichtigen und sollte auch im Vorfeld allen Beteiligten klar sein, dass unter den gegebenen Arbeitsmarktbedingungen die Betroffenen oftmals gefordert sind, Kompromisse hinsichtlich der Einkommenshöhe, der Entfernung zum Arbeitsplatz etc. einzugehen. Hier notwendige Änderungen in der Einstellung zu bewirken, erfordert kontinuierliche Begleitung und Überzeugungsarbeit durch die Berater in den Transferprojekten.

Abb. 2: Angebote einer Transfergesellschaft im Überblick

Nicht immer sind die betreuten Mitarbeiter sofort in der Lage, sich gezielt der beruflichen Neuorientierung zu widmen. Psychosoziale Probleme bilden Blockaden. Einschlägige Beratungsinstitutionen in der Region (z. B. Schuldnerberatung, Suchtberatung etc.) sollten hier frühzeitig mit eingebunden werden. Zur Vervollständigung des Beratungsangebotes und zur Informationsvertiefung können Veranstaltungen zu einzelnen Themenfeldern (z. B. zu Fragen der Altersversorgung, Berufsbilder, Arbeiten im Ausland u. ä.) zusätzlich angeboten werden.

Das Erkennen, Besprechen und Lösen solcher Probleme ist ein Kernargument, warum aus meiner Sicht die individuelle Betreuung den Vorrang vor Gruppenveranstaltungen haben sollte. Der Berater schlüpft hier in die Rolle eines "Freundes auf Zeit".

Zwar sollten massive Bewerbungsaktivitäten in einer Kündigungssituation ganz selbstverständlich sein, in der Praxis neigen die Betroffenen aber eher dazu, sich zurückzuziehen und die Bewerbungsaktivitäten nur in unzureichendem Umfang zu leisten (der allerdings subjektiv als ausreichend empfunden wird). D. h., die Mitarbeiter brauchen jemanden, der die Bewerbungsaktivitäten im Auge hat, ihnen den Spiegel vorhält und sie ggfs. "antreibt".

Aufgrund der individuellen Zielfindungsprozesse sollten Gruppenveranstaltungen, die leider heute immer noch die Regel bei vielen Transferanbietern bilden, nur ergänzend in Teilbereichen sinnvoll eingesetzt werden (z. B. bei Peergroups).

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