Streitig ist die Feststellung des Sonderausweises nach § 28 Abs. 1 S. 3 KStG. Das FG entschied:
§ 28 Abs. 1 S. 1 KStG fingiert die Reihenfolge der Verwendung von Mitteln im Falle einer Nennkapitalerhöhung. Danach gilt der positive Bestand des steuerlichen Einlagekontos als vor den sonstigen Rücklagen umgewandelt. Nach § 28 Abs. 1 S. 1 KStG wird also im ersten Schritt ein positiver Bestand des steuerlichen Einlagekontos in Nennkapital umgewandelt. Die Umwandlung des positiven Bestands des steuerlichen Einlagekontos erfolgt solange, bis der gem. § 28 Abs. 1 S. 2 KStG maßgebliche Bestand des steuerlichen Einlagekontos zum Schluss des Wirtschaftsjahres der Kapitalerhöhung 0 EUR beträgt.
Geht die Erhöhung des Nennkapitals der Körperschaft über den positiven Bestand des steuerlichen Einlagekontos hinaus, werden in Höhe des übersteigenden Betrages im zweiten Schritt die sonstigen Rücklagen der Körperschaft in Nennkapital umgewandelt. Bei den sonstigen Rücklagen handelt es sich um sämtliche Rücklagen der Körperschaft, die nicht im steuerlichen Einlagekonto erfasst sind, also z.B. Gewinnrücklagen, Kapitalrücklagen zzgl. eines Bilanzgewinnvortrags und eines laufenden Jahresüberschusses, soweit die Einstellung des Jahresüberschusses in die Rücklagen beschlossen wurde, abzgl. eines Bilanzverlustvortrags und abzgl. eines laufenden Jahresfehlbetrages. Die in Nennkapital umgewandelten sonstigen Rücklagen sind gem. § 28 Abs. 1 S. 3 KStG als Sonderausweis gesondert festzustellen, soweit sie nicht auf Einlagen der Anteilseigner beruhen.
Der Feststellung des Sonderausweises nach § 28 Abs. 1 S. 3 KStG ist der Bestand des steuerlichen Einlagenkontos, wie er nach § 27 Abs. 2 KStG zum Schluss des letzten Wirtschaftsjahres festgestellt wurde, unter Berücksichtigung der unterjährigen Zu- und Abgänge im steuerlichen Einlagenkonto des laufenden Wirtschaftsjahres zugrunde zu legen. Dass § 28 Abs. 1 S. 3 KStG – anders als § 28 Abs. 1 S. 1 KStG und § 28 Abs. 1 S. 2 KStG – den Begriff "Einlagen" verwendet und nicht vom "Bestand des steuerlichen Einlagekontos" ausgeht, führt nicht dazu, dass die Auslegung des § 28 Abs. 1 S. 3 KStG losgelöst vom steuerlichen Einlagekonto erfolgen dürfte und alle – auch in den Vorjahren "vergessene" und somit bisher nicht festgestellte – Einlagen einbezogen werden könnten.
Der Verweis in § 28 Abs. 1 S. 3 KStG auf die Herkunft des Nennkapitals aus der "Umwandlung von sonstigen Rücklagen mit Ausnahme von aus Einlagen der Anteilseigner stammenden Beträgen" ist also so auszulegen, dass die die Einlagen i.S.d. § 28 Abs. 1 S. 1 KStG und § 28 Abs. 1 S. 2 KStG übersteigenden umgewandelten Rücklagen als Sonderausweis festzustellen sind.
FG München v. 24.10.2023 – 6 K 2838/20, Rev. eingelegt, Az. des BFH: VIII R 41/23