Gina Heller-Herold, Prof. Dr. Patrick Link
ESG steht für Umwelt (Environmental), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance). Diese Begriffe bilden zusammen einen Rahmen, den Unternehmen und Investoren verwenden, um nichtfinanzielle Faktoren zu bewerten.
- Umwelt (Environmental) bezieht sich auf die Auswirkungen eines Unternehmens auf die Umwelt, einschließlich Themen wie Klimawandel, Ressourcenverbrauch, Umweltverschmutzung und erneuerbare Energien.
- Soziales (Social) betrifft die Beziehungen eines Unternehmens zu seinen Mitarbeitenden, Kunden, Lieferanten und der Gemeinschaft, in der es tätig ist. Dazu gehören Fragen der Arbeitsbedingungen, der Vielfalt und Inklusion, der Menschenrechte, des Gesundheits- und Sicherheitsmanagements sowie des sozialen Engagements.
- Governance bezieht sich auf die Art und Weise, wie ein Unternehmen geführt und kontrolliert wird. Dies umfasst Aspekte wie Unternehmensführung, Transparenz, ethische Grundsätze, Compliance mit Gesetzen und Vorschriften sowie die Strukturierung von Vorstand und Aufsichtsrat.
Die Berücksichtigung von ESG-Kriterien soll dazu beitragen, langfristige Werte zu schaffen, Risiken zu mindern, das Vertrauen der Stakeholder zu stärken, eine positive Wirkung auf die Gesellschaft und die Umwelt zu erzielen und ist die Grundlage der gesetzlichen Anforderungen.
Die zehn Prinzipien des UN Global Compact
UN Global Compact hat zehn Prinzipien aufgestellt, die Unternehmen nutzen können. Diese Prinzipien lauten wie folgt (Global Compact, 2024):
Menschenrechte
- Unternehmen sollen den Schutz der international proklamierten Menschenrechte unterstützen und achten.
- Sicherstellen, dass sie sich nicht an Menschenrechtsverletzungen mitschuldig machen.
Arbeitsnormen
- Unternehmen sollen die Vereinigungsfreiheit und die wirksame Anerkennung des Rechts auf Kollektivverhandlungen gewährleisten.
- Für die Beseitigung aller Formen der Zwangsarbeit eintreten.
- Die effektive Abschaffung der Kinderarbeit fördern.
- Für die Beseitigung von Diskriminierung bei Anstellung und Erwerbstätigkeit eintreten.
Umweltschutz
- Unternehmen sollen einen vorsorgenden Ansatz zum Umgang mit Umweltproblemen unterstützen.
- Initiativen ergreifen, um ein größeres Umweltbewusstsein zu fördern.
- Die Entwicklung und Verbreitung umweltfreundlicher Technologien fördern.
Korruptionsbekämpfung
- Unternehmen sollen gegen Korruption in all ihren Formen, einschließlich Erpressung und Bestechung, vorgehen.
5.4.1 Irreführende Environment-Kommunikation: Greenwashing
Greenwashing ist eine Marketingpraxis, bei der Unternehmen fälschlicherweise den Eindruck erwecken, umweltfreundlicher zu sein, als sie tatsächlich sind. Dies geschieht oft durch irreführende Werbung, die ein "grünes" Image zeigen soll. Oftmals wird dabei kein oder nur ein minimaler positiver Beitrag zur Umwelt geleistet.
Dabei werden einzelne positive Ansätze oder Maßnahmen betont, während negative Auswirkungen oder unzureichende Anstrengungen verschleiert werden. Der Beweggrund ist meist das Erzielen von ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteilen. Hier ist Vorsicht geboten: Greenwashing, das Täuschen über Umweltpraktiken oder -vorteile, kann das Vertrauen der Kunden untergraben und erheblichen Rufschaden verursachen.
Beispiele sind Unternehmen, die ihre Produkte als "grün" oder "nachhaltig" kennzeichnen, obwohl sie umweltschädlich sind oder nur minimale Verbesserungen aufweisen. Es kann verschiedene Formen annehmen, von unwahren Behauptungen bis hin zur Überbetonung von kleinen umweltfreundlichen Maßnahmen.
Regulierungsbehörden setzen zunehmend Richtlinien durch, um Greenwashing zu bekämpfen und die Transparenz in der Werbung zu erhöhen. Es gibt klare Vorgaben des (EU) Gesetzgebers, welche Art von Geschäftstätigkeiten als nachhaltig gelten. Impact Investing gewinnt an Bedeutung. Greenwashing verhindert Investitionen in die eigene Firma. Greenwashing kann auch unabsichtlich oder aus Unwissenheit passieren.
Tipps um Greenwashing zu vermeiden
- Vermeiden unklarer und falscher Aussagen und Floskeln, um Klarheit zu gewährleisten.
- Verstehen der eigenen Auswirkungen, um an den relevanten, bedeutenden Themen zu arbeiten.
- Berücksichtigen und verstehen der Meinung von Stakeholdern.
- Transparent über Nachhaltigkeitsziele und Fortschritte kommunizieren.
- Nicht von wichtigen Punkten ablenken und die Hervorhebung des geringeren Übels vermeiden.
- Verbessern der eigenen Nachhaltigkeitsleistung und den Nachweis erbringen. Vermeiden fehlender Nachweise.
- Vermeiden selektiver Darstellungen der Realität oder die Verschleierung oder Beschönigung schädlicher Produkte.
- Bei den Fakten bleiben und Übertreibungen vermeiden.
- Nachweise und unabhängige Zertifizierungen und Standards nutzen. Vermeiden falscher oder nicht anerkannter Labels.
- Vorsichtig sein beim Verpackungsdesign und Werbung.
- Proaktiv gegen Greenwashing vorgehen und kritische Stakeholder einbinden.
5.4.2 Irreführende Social-Kommunikation: Bluewashing
Bluewashing ist eine Praxis, bei der Unternehmen oder Organisationen versuchen, ein positives Image durch vermeintliches Engagement für soziale Themen wie Menschenrechte oder soziale Gerechtigkeit zu erlangen. Die Farbe B...