Dipl.-Ing. Cornelia von Quistorp
Teilnehmer berichten häufig, dass sie digitale Sitzungen als anstrengender erleben als das in Präsenz der Fall ist. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle:
Veränderte Wahrnehmungsanforderungen
Besonders wenn das Format noch neu ist, sind Teilnehmer u. U. durch die sehr vielfältigen optischen und akustischen Signale intensiv gefordert und müssen sich deutlich mehr konzentrieren, um die Sprecher und ihre Beiträge richtig zuzuordnen. Ein klar strukturierter Sitzungsablauf hilft bei der Orientierung. Alle Teilnehmer sollten darauf achten, in möglichst ungestörter Umgebung zu arbeiten bzw. bei unvermeidbaren Störungen Kamera und Mikrofon vorübergehend auszuschalten.
Systembedienung
Für viele Teilnehmer ist die Bedienung eines digitalen Konferenzsystems noch neu und das bindet Aufmerksamkeit. Kommt es zu Fehlbedienungen oder technischen Störungen, erhöht das den Stresspegel erheblich, was sich nach einer gewissen Zeit in spürbarer Erschöpfung niederschlagen kann.
Körperhaltung
Weil alle für den Sitzungsverlauf relevanten optischen Informationen über den Bildschirm kommen, wird der Blick über längere Zeiträume vom Bildschirm fixiert. Damit geht eine bestimmte Kopf- und Körperhaltung und (wie immer bei Bildschirmarbeit) zu wenig Bewegung einher. Hier helfen regelmäßige (Bewegungs-)Pausen und wer bereits gut an digitale Sitzungsarbeit gewöhnt ist, wird feststellen, dass dem Sitzungsverlauf auch in wechselnden Sitzhaltungen gefolgt werden kann.
Innere Einstellung
Die innere Einstellung trägt erheblich dazu bei, ob man eine digitale Sitzung eher entspannt oder angestrengt erlebt. Gewöhnung und positive Erfahrungen helfen hoffentlich, innere Barrieren zu überwinden.
Diese Veröffentlichung des IAG – Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung stellt tiefergehende Informationen zu psychischen und physischen Vorgängen bei digitaler Zusammenarbeit von Menschen bereit und gibt viele praktische Gestaltungstipps für Online-Formate.