Beurteilung von Gemischen und Polymeren: ELW und EBW nach TRGS 430
Der Expositionsleitwert (ELW) ist ein Beurteilungsmaßstab für die Summenkonzentration aller reaktiver Isocyanat-Gruppen (Total concentration of Reactive Isocyanate Groups, kurz: TRIG), er beträgt 0,010 mg NCO/m³. Er ist auch bei komplexen isocyanathaltigen Gemischen oder Isocyanaten unklarer Identität anwendbar. Eine Einhaltung des ELW bedeutet immer, dass auch die Arbeitsplatzgrenzwerte eingehalten sind. Die TRIG kann i. d. R. durch Messung der Diisocyanate und anschließende Umrechnung ermittelt werden (s. Anhang 2 A2.4 Abs. 2 TRGS 430).
Der Expositionsbeurteilungswert (EBW) dient zum Bewerten der inhalativen Gefährdung durch polymere Isocyanate bei Spritzapplikationen (Lacke, Klebstoffe). Er ist – unter Berücksichtigung des geringeren toxischen Potenzials polymerer Isocyanate im Vergleich zu monomeren Diisocyanaten – nach Anhang 2 A2.5 TRGS 430 auszuwählen. Der EBW ist produktbezogen und wird i. d. R. im Sicherheitsdatenblatt angegeben. Ist kein EBW angegeben, wird zur Beurteilung der ELW oder der AGW des monomeren Isocyanats angewendet, von dem sich das Polymer chemisch ableitet.
Mittels AGW, ELW bzw. EBW kann dann die Gesamtexposition bez. reaktiver NCO-Gruppen berechnet werden (Bewertungsindex (BI)). Liegt der ermittelte Bewertungsindex über 1, bedeutet das: "Schutzmaßnahmen nicht ausreichend" (Grenzwertüberschreitung). Der Arbeitgeber muss unverzüglich zusätzliche Schutzmaßnahmen nach Abschn. 4 TRGS 430 ergreifen und eine arbeitsmedizinische Vorsorge veranlassen. Die Gefährdungsbeurteilung muss erneut durchgeführt werden.