Zusammenfassung
Ein häusliches Arbeitszimmer ist im Wesentlichen ein Raum, der seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden ist und vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher, verwaltungstechnischer oder organisatorischer Arbeiten dient.
Die ertragsteuerliche Beurteilung der betrieblichen und beruflichen Betätigung in der häuslichen Wohnung ist in den Vorschriften der § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b und 6c, § 9 Abs. 5 Satz 1 und § 10 Abs. 1 Nr. 7 Satz 4 EStG geregelt. Diese Regelungen wurden durch das JStG 2022 mit Wirkung ab dem VZ 2023 grundlegend neu gefasst.
Das BMF hat die Ansicht der Finanzverwaltung zur ab 2023 geltenden Rechtslage im Schreiben vom 15.8.2023 (BMF, Schreiben v. 15.8.2023, IV C 6 - S 2145/19/10006 :027, BStBl 2023 I S. 1551) dargestellt. Das Schreiben vom 6.10.2017 (BMF, Schreiben v. 6.10.2017, IV C 6 – S 2145/07/10002 : 19, BStBl 2017 I S. 1327) behält für die bis zum VZ 2022 geltende Rechtslage weiterhin seine Gültigkeit. In diesem Zusammenhang ist zu einigen Fragen, die die Homeoffice-Pauschale bis zum 31.12.2022 betreffen, das BMF vom 9.7.2021, IV C 6 – 2145/19/100013 zu beachten.
1 Überblick
Nach der bis zum 31.12.2022 geltenden Regelung des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG sind Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer sowie die Kosten der Ausstattung dann als Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten abziehbar, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet oder für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Im letzteren Fall wird die Höhe der abziehbaren Aufwendungen bis zum Jahr 2022 auf 1.250 EUR pro Jahr begrenzt. Die Beschränkung der Höhe nach gilt jedoch nicht, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet.
Die Neuregelung des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG durch das JStG 2022 enthält diesbezüglich einige grundlegende Änderungen, die ab dem VZ 2023 zur Anwendung kommen. Im Rahmen dieses Beitrags wird hauptsächlich die für nach dem 31.12.2022 in der häuslichen Wohnung ausgeübte Tätigkeiten anzuwendende Rechtslage erläutert.
2 Homeoffice-Pauschale
Mit dem am 18.12.2020 verabschiedeten Jahressteuergesetz 2020 wurde eine Homeoffice-Pauschale für die Jahre 2020 und 2021 eingeführt, die dann noch durch das sog. Vierte Corona-Steuerhilfegesetz bis 31.12.2022 verlängert wurde.
Liegt kein häusliches Arbeitszimmer vor oder wird auf einen Abzug der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer verzichtet, konnten die Steuerpflichtigen nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 4 a.F. EStG für jeden Kalendertag bis einschließlich 31.12.2022, an dem die betriebliche oder berufliche Tätigkeit ausschließlich in der häuslichen Wohnung ausübt wurde, für die gesamte betriebliche und berufliche Betätigung einen Betrag von 5 EUR abziehen, höchstens 600 EUR im Wirtschafts- oder Kalenderjahr. Somit war die Pauschale für maximal 120 Tage zu bekommen. Die Homeoffice-Pauschale wird in die Werbungskostenpauschale eingerechnet und nicht zusätzlich gewährt. Die Regelung galt zunächst nur für die Veranlagungszeiträume 2020 und 2021 und wurde durch das sog. Vierte Corona-Steuerhilfegesetz um ein Jahr bis zum 31.12.2022 verlängert.
Im Übrigen ist der angesprochene Höchstbetrag arbeitnehmer- und nicht dienstverhältnisbezogen. Dies ergab sich aus dem Wortlaut des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 4 a.F. EStG, da dort die gesamte betriebliche und berufliche Betätigung genannt ist.
Eine Aufteilung der Pauschale auf mehrere Betätigungen konnte somit vorzunehmen sein. Sofern zwei oder mehr Arbeitnehmer den Raum nutzten, gab es keine Einschränkung für den Fall, dass bei gemeinsam Nutzungsberechtigten einer Wohnung (auch) ein/e Andere/r Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer oder die Homeoffice-Pauschale geltend gemacht hat. Es fand keine Kürzung der Pauschale hinsichtlich des Umfangs der Arbeitszeit statt. Folglich erhielten auch Teilzeitbeschäftigte den vollen Betrag von 5 EUR je Kalendertag an maximal 120 Tagen. Der insoweit eindeutige Wortlaut der bis zum 31.12.2022 geltenden Regelung, nachdem der Steuerpflichtige für jeden Kalendertag, an dem er seine betriebliche oder berufliche Tätigkeit ausschließlich in der häuslichen Wohnung ausübt und keine außerhalb der häuslichen Wohnung belegene Betätigungsstätte aufsucht, stellte klar, dass die berufliche bzw. betriebliche Tätigkeit ausschließlich am jeweiligen Kalendertag im Homeoffice ausgeübt werden muss. Somit waren beispielsweise Lehrerinnen und Lehrer, die vormittags an der Schule Präsenzunterricht gegeben haben und nachmittags das Homeoffice für die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts nutzen, von der Pauschale ausgeschlossen. Dies galt jedoch nicht, soweit während der Pandemie beispielsweise ausschließlich Fernunterricht stattgefunden hat.
Homeoffice-Pauschale ab VZ 2023
Die bisherige Homeoffice-Pauschale wird nun aus § 4 Abs....