Während Traditionalisten noch über die Rettung der klassischen HR-Abteilung diskutieren, entstehen bereits völlig neue Ansätze: echtes People Management. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen: Bis zu 70 Prozent der klassischen HR-Aufgaben werden durch künstliche Intelligenz automatisiert – nicht als Bedrohung, sondern als Befreiung.
Prognosen gehen davon aus, dass bis 2030 mehr als 60 Prozent der traditionellen HR-Tätigkeiten von KI-Systemen übernommen werden. KI und Automatisierung befreit HR immer mehr von zeitraubenden Routinen und eröffnet Raum für die gezielte Entwicklung menschlicher Potenziale, Kreativität und Sinnstiftung.
Think Tank Innovation als Impulsgeber
Die Thesen und Analysen für den folgenden Beitrag stammen aus dem ZP Think Tank Innovation, einem interdisziplinären Gremium, das von Gunnar Sohn, Marc Wagner, Prof. Dr. Stephan Fischer, Joachim Rotzinger, Katrin Thieme-Wagner, Margitta Eichelbaum und Prof. Dr. Rupert Felder gebildet wird. Der ZP Think Tank Innovation widmet sich dem zentralen Thema Innovation und beleuchtet die vielfältigen Dimensionen von Neuerungen im Personal- und HR-Bereich. Im Fokus stehen insbesondere die strukturellen und kulturellen Veränderungen, die durch die Entwicklung und Anwendung innovativer Ideen, Methoden und Techniken vorangetrieben werden. Der Think Tank Innovation stellt gezielt provokante Thesen auf, sucht nach individuellen wie generellen Antworten für Menschen, Organisationen und Unternehmen und entwickelt so Lösungen, die das People Business innovativ und zukunftsfest gestalten.
Die Kompetenz-Revolution: Menschlichkeit als Differenziator
Die aktuelle Kompetenz-Revolution, wie sie im OECD Skills Outlock 2023 bzw. dem Future Skills Report 2024 beschrieben wird, offenbart einen paradoxen Trend: Während 700.000 zusätzliche Tech-Experten bis 2025 benötigt werden, steigt gleichzeitig die Nachfrage nach genuin menschlichen Qualitäten wie Kreativität, Empathie und komplexer Problemlösung.
Unternehmen, die in eine Kombination aus digitalen und menschlichen Kompetenzen investieren, weisen demnach eine um 24 Prozent höhere Innovationskraft auf. Die KI-Revolution macht uns paradoxerweise menschlicher: Während Maschinen Routineaufgaben übernehmen, werden Menschen für kreative, ethische und sinnstiftende Aufgaben freigesetzt.
Die Geburtsstunde echten People Managements
Was entsteht, ist die ganzheitliche Gestaltung des wichtigsten Produktionsfaktors im digitalen Zeitalter: des Menschen selbst. Die authentische Humanzentrierung ist kein Soft Skill, sondern strategischer Impulsgeber der HR-Transformation. Sie ist Voraussetzung dafür, dass Organisationen im Zeitalter der Disruption überleben und wachsen können.
Das neue People Operating System umfasst vier Gestaltungsdimensionen:
- Organisationsarchitektur: Dynamische Netzwerke statt starrer Hierarchien für optimales Matching zwischen Aufgaben und Fähigkeiten
- Kulturgestaltung: Lern- und Veränderungskultur, in der "Verlernen" zum Regelprozess wird
- Prozessorchestrierung: Arbeitsabläufe, die menschliche Stärken verstärken und maschinelle Effizienz integrieren
- Arbeitsumgebung: Physische und digitale Räume für Kreativität, Kollaboration und Wohlbefinden
HR-Zeitenwende: ein Paradigmenwechsel
Eine radikale Erkenntnis: Die wirklichen People-Führungsaufgaben liegen im Business selbst. Manager und Teamleads sind die eigentlichen People Leader. Der People-Bereich wird zum Enabler, der Business Leaders mit Werkzeugen für exzellente People Leadership ausstattet.
Im neuen Paradigma gilt: Jede People-Initiative muss dem Kunden nützen. Untersuchungen bestätigen: Unternehmen, die People-Initiativen an Kundenwert ausrichten, haben eine um 41 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für überdurchschnittliche Geschäftsergebnisse.
Der Wandel erfordert völlig neue Fähigkeiten: komplexe Problemlösung, Datenanalyse, Technologie-Integration und Experience Design. Expertenprognosen zeigen: Bis 2030 werden über 70 Prozent der People-Management-Positionen mit Kandidaten besetzt, die Kompetenzen aus Data Science, Design und Verhaltenspsychologie mitbringen.
Transformation oder Irrelevanz
Die radikalste Transformation: People Management wird vollständig in die Unternehmensstrategie integriert. Nicht mehr unterstützende Funktion, sondern integraler Bestandteil strategischer Planung und Umsetzung.
Die Zukunft gehört jenen, die verstehen: Der Mensch ist der einzige Faktor, der wirklich zählt. Alles andere kann automatisiert werden. Die Kunst liegt darin, Umgebungen zu schaffen, in denen Menschen das leisten können, was nur Menschen können: kreativ sein, empathisch handeln, ethisch entscheiden und Wert für andere Menschen schaffen.
Die große Transformation wartet nicht auf unsere Bereitschaft. Sie geschieht mit oder ohne uns. Es liegt an uns, ob wir sie gestalten oder von ihr gestaltet werden.
Zukunft der HR-Funktion gestalten
Echtes People Management ist keine Option, sondern der Schlüsselfaktor, um dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen. Unternehmen, die flexible, sinnstiftende und partizipative Arbeitsumfelder schaffen, sichern sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil – und machen HR zum echten Treiber der Transformation.
Die Zukunft Personal Europe, die vom 9. bis 11. September 2025 in der Koelnmesse stattfindet, greift die zentralen Herausforderungen und Chancen der großen HR-Transformation auf. In Keynotes, Foren und Workshops erhalten HR-Verantwortliche Einblicke in die neuesten Studien, Praxisbeispiele und technologischen Lösungen, die für eine kontinuierliche Neuausrichtung und Transformation relevant sind.
Zu den Autoren:
Rupert Felder, Gründungs-Vizepräsident Bundesverband der Arbeitsrechtler in Unternehmen (BVAU) und Mitglied im Think Tank Innovation der Zukunft Personal
Marc Wagner, Senior Executive Advisor Atruvia AG/ Managing Director Lucke GmbH und Mitglied im Think Tank Innovation der Zukunft Personal
Gunnar Sohn, Wirtschaftspublizist und Mitglied im Think Tank Innovation der Zukunft Personal