Multi-Benefits-Plattformen: Marktübersicht

Multi-Benefits-Plattformen sollen Beschäftigten die unter­schied­lichen Angebote des Unter­nehmens möglichst einfach zugäng­lich machen. Für HR als Anwender müssen die Lösungen Steuer­konformitä­t und nahtlose Integration in die bestehenden Ab­rech­nungs­­systeme garan­tieren. Unsere Marktübersicht zeigt, was Unter­nehmen erwarten können. 

In Zeiten von Fachkräftemangel, New Work und steigenden Lebenshaltungskosten gewinnen Benefits zunehmend an Bedeutung. Sie bieten Unternehmen eine effektive Möglichkeit, ihre Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern, Mitarbeitende langfristig zu binden und die Mitarbeiterzufriedenheit zu erhöhen. Von Plattformen zu ihrer Verwaltung wird erwartet, dass sie steuerkonforme und digitale Lösungen bereitstellen, die sich nahtlos in bestehende Systeme integrieren lassen und für Unternehmen sowie Mitarbeiter zugleich leicht bedienbar sind.

Benefit-Plattformen bündeln eine immer breitere Angebots­palette

Multi-Benefits-Plattformen sind digitale Tools, die Unternehmen dabei unterstützen, verschiedene Mitarbeitervorteile – von Sachbezügen über Mobilitätsbudgets bis hin zu Gesundheitsmaßnahmen – zentral zu verwalten. Mitarbeiter profitieren von der Möglichkeit, individuell zwischen verschiedenen Angeboten zu wählen. Unternehmen wiederum sparen durch die Digitalisierung der Verwaltung Zeit und Kosten, die insbesondere aufgrund der sehr komplexen steuerrechtlichen Regelungen und Buchhaltung bei nicht standardisierten Angeboten enorm sein können.

"Bei Mitarbeiter-Benefits zeigt sich der eindeutige Trend, dass flexible und zielgerichtete Angebote zunehmend an Bedeutung gewinnen. Steuerbegünstigte Mitarbeiter-Benefits bieten Unternehmen die Chance, Lohnkosten zu optimieren, die Arbeitnehmerbindung zu stärken und sich als attraktive Arbeitgeber für eine vielfältige Belegschaft zu positionieren", erklärt Friedrich Villhauer, CEO von Become 1, einem Plattformanbieter, der vor Kurzem eine Wachstumsfinanzierung in Millionenhöhe erhalten hat.

Die beliebtesten Benefits in Deutschland

Die Breite der einkommensteuerrechtlich geregelten Benefits-Angebote überfordert dabei aktuell häufig Mitarbeiter und HR-Verantwortliche in Unternehmen zugleich. Mitarbeiter wünschen sich von Arbeitgebern dabei häufig ein breites Angebot mit individueller Auswahlmöglichkeit. Neben dem recht bekannten 50-Euro-Sachbezug umfasst eine Liste von steuerlich begünstigten Bezügen auch Sachgeschenke, Sachboni, ÖPNV-Zuschüsse, Essenszuschüsse, Erholungsbeihilfen, Internetpauschalen, Zuschüsse zur berieblichen Altersversorgung und Gesundheitsförderung, Firmenrad-Leasing, Bildungszuschüsse und Kita-Zuschüsse. 

Laut dem "Dach Global Benefits Report" dominieren in Deutschland steueroptimierte Angebote wie der 50-Euro-Sachbezug. Diese Flexibilität ermöglicht Unternehmen, sehr einfach personalisierte Benefits anzubieten, die Mitarbeitenden direkten Mehrwert bieten und gleichzeitig die Steuerlast reduzieren. Das Potenzial von Benefits geht aber deutlich darüber hinaus und wird nun von den Multi-Benefits-Plattformen gehoben.

Trends und aktuelle Entwicklungen bei Corporate Benefits

Neben den klassischen Benefits wie der betrieblichen Altersversorgung (bAV) oder der Bereitstellung eines Firmenwagens (beide oft losgelöst von Multi-Benefits-Plattformen) gibt es neue Trends, die durch Studien wie den Circula Benefits-Report 2023/24 beleuchtet werden. Hierzu zählen:

  • Mobilitätszuschüsse: Mit Angeboten wie Jobtickets, Tankgutscheinen, Firmenrädern oder Mobilitätsbudgets können Unternehmen nicht nur die Mobilität ihrer Mitarbeitenden fördern, sondern auch nachhaltiges Verhalten incentivieren.
  • Gesundheitsförderung: Ob Fitnessprogramme, mentale Gesundheitsangebote oder finanzielle Unterstützung für Erholung – diese Benefits gewinnen zunehmend an Bedeutung.
  • Homeoffice-Unterstützung: Internetpauschalen und Zuschüsse zu Homeoffice-Kosten sind gefragter denn je.
  • Erholungsbeihilfe: Unternehmen können bis zu 364 Euro pro Jahr steuerfrei für Urlaubszwecke gewähren. Dieses Benefit wird als familienfreundlich und attraktiv wahrgenommen.
  • Weiterbildungsbudgets: Unternehmen können Mitarbeitern die Möglichkeit bieten, ihre beruflichen Fähigkeiten individuell zu entwickeln.

Dabei erweitert sich die Liste kontinuierlich auch durch neue Anbieter, die weitere Angebote wie Workations (beispielsweise Whatever Works, Rhome, Workflex), Fertility-Benefits (beispielsweise Onuava, Peaches), Mental Health (beispielsweise Nilo Health, Likeminded, Evermood, Open Up, Lene Health), Mitarbeitende-Events und andere vergünstigte Benefits (beispielsweise Dreamteam, Benefits.me, Corporate Benefits) oder weitere durch Firmen unterstützte Vorteile digital abwickeln.

Multi-Benefits-Plattforme reduzieren Komplexität

Sowohl die Breite der Benefits-Palette als auch die jeweils zugrunde liegenden rechtlichen Rahmen machen eines deutlich: Eine der größten Herausforderungen bei Benefits ist die steuerliche und regulatorische Komplexität, besonders in internationalen Kontexten. Diese Komplexität ist administrativ nicht kosteneffizient darstellbar. 

Hier kommt nun ein wichtiges Versprechen der Multi-Benefits-Plattformen ins Spiel. Der Fokus der Plattformen liegt dabei in der massiven Reduktion des Verwaltungsaufwands durch nahtlose Integrationen mit HR- und Payroll-Systemen für die wichtigsten und am häufigsten genutzten Benefits. Gleichzeitig wird es für Unternehmen immer wichtiger, Benefits an die Bedürfnisse ihrer Beschäftigten individuell anzupassen. 

Mitarbeitende erhalten ebenfalls die Möglichkeit, für sie relevante Benefits durch flexible Auswahl (über eine Sachbezugskarte (Prepaid-Karten oder guthabenbasierte Debitkarten) oder Gutscheine) und häufig ergänzt durch Zugriff auf eine App auf dem Smartphone auszuwählen. Das unterstreicht auch noch mal Anja Steinkönig, Group CMO bei Bikeleasing, die vor Kurzem Probonio übernommen haben: "Durch die maßgeschneiderte Digitallösung können Arbeitgeber einzelne Benefits gezielt nach Hierarchien und Abteilungen zuordnen und konfigurieren. Auf diese Weise wird sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmende ein echter Mehrwert und ein authentisches Gefühl der Wertschätzung geschaffen."

Marktentwicklung bei Benefits-Plattformen

Die Attraktivität dieser digitalen Angebote erhöht auch die Annahme von Benefits-Plattformen und zugleich den Wettbewerb unter bisher auf einzelne Benefits fokussierten Anbietern. Denn Benefits-Plattformen werden zunehmend zum Gatekeeper der Benefits-Auswahl bei Unternehmen und Mitarbeitenden. 

So haben in den vergangenen Monaten mehrere ursprünglich auf einzelne Benefits fokussierte Anbieter ("Single-Benefits-Anbieter") ihr Portfolio durch strategische Übernahmen von Plattformen ausgebaut. Internationale Beispiele hierfür sind Pluxee (Fokus Essensgutscheine) mit der Übernahme von Cobee sowie Zellis mit der Übernahme von Benify. Auch in Deutschland gibt es mit der Übernahme von Lofino durch Job-Rad und der Akquisition von Probonio durch Bikeleasing Beispiele für diese Entwicklung. Dabei können die oft noch recht jungen Benefits-Plattformen schnelleres Wachstum durch die Kundenzugänge der etablierten Anbieter erzielen. 

Zuvor spezialisierte Anbieter bieten Kunden mehr Breite und werden selbst zum Gatekeeper. Diese Entwicklungen zeigen, dass der Markt sich verändert und zunehmend in Richtung Multi-Benefit-Plattformen bewegt. 

Zwei weitere Wachstumsbeschleuniger kommen hinzu: Einerseits erlauben Multi-Benefits-Plattformen mit der einfachen digitalen Abwicklung nun auch KMUs – und somit mehr Unternehmen – eine leichte Nutzung, wie auch Maximilian Roskosch, CEO von Hello Bonnie, unterstreicht: "Kleine und mittelständische Unternehmen suchen nach Benefit-Lösungen, die möglichst verwaltungsarm sind und dennoch hohe Flexibilität und Aktivierungsraten bei Mitarbeitenden leisten können." Andererseits können über Multi-Benefits-Plattformen auch neue Angebote zu schnellerer und breiterer Adoption bei Mitarbeitenden führen. Die Bekanntheit dieser Angebote muss nicht erst über Jahre teuer aufgebaut werden, sondern sie ist durch die neuen digitalen Lösungen wie bei neuen Technologien schneller verbreitbar. 

Ein weiterer, in der unternehmerischen Praxis noch oft unterschätzter, Aspekt ist die Messbarkeit der eingeführten Benefits. Laut einer Circula-Studie misst nur knapp die Hälfte der Unternehmen, ob Benefits tatsächlich genutzt werden. Noch weniger Unternehmen fragen aktiv nach, ob die angebotenen Benefits die Erwartungen der Mitarbeitenden erfüllen. Ein systematisches Monitoring kann jedoch nicht nur die Zufriedenheit der Mitarbeitenden steigern, sondern auch die Effektivität der Benefits maximieren.

Multi-Benefits-Anbieter im Überblick

Mittlerweile positionieren sich am deutschsprachigen Markt eine Vielzahl von Benefits-Plattformen mit ihren Angeboten. Eine Differenzierung, wie früher bei Single-Benefit-Anbietern, ist deutlich schwerer, weil Unterschiede sich zumeist erst bei detaillierterer Analyse der Tiefe der Integration und Abbildung von Benefits ergeben. Den Vorteil erklärt Sabine Hammes, CEO bei Lofino: "Mit einem digitalen End-to-End-Ansatz, der steuerkonforme Datenaufbereitung für die Payroll ermöglicht, schaffen Multi-Benefits-Anbieter Mehrwert." Die Tabelle in diesem Beitrag gibt einen Überblick über relevante Anbieter im Markt und ihre Leistungen.

Dieser Beitrag ist erschienen in Personalmagazin 3/2025. Als Abonnent haben Sie Zugang zu diesem Beitrag - inklusive der Tabelle - und allen Artikeln dieser Ausgabe in unserem Digitalmagazin als Desktop-Applikation oder in der Personalmagazin-App.


Das könnte Sie auch interessieren:

Wo die bAV hinter eigenen Ansprüchen zurückbleibt

Diese Corporate Benefits sind besonders beliebt

Wahlmöglichkeit bei Mitarbeiterbenefits steigert Zufriedenheit

Marktübersicht: Wenn die Lohnabrechnung lockt