Wie geht es der LGBTQIA-Community in Finanzberufen?

Die Abkürzung LGBTQIA steht für die englischen Begriffe lesbian, gay, bisexual, transgender/transsexual, queer/questioning, intersex, und asexual. Die LGBTQIA-Community blickt auf eine lange Geschichte von Diskriminierung zurück. So wurde sie (u. a. rechtlich) verfolgt. Diskriminierung gehörte zum Alltag und kommt leider auch in der Gegenwart noch vor. Auch in der Arbeitswelt war die Situation für die LGBTQIA-Community alles andere als einfach.
Doch vieles hat sich bereits deutlich verbessert. So hat sich die rechtliche Situation weiterentwickelt: Seit 2017 können beispielsweise auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten. Die Toleranz ist heute wesentlich höher als sie vor einigen Jahren noch war.
Von der konservativen Buchhaltung zur diversen Finanzabteilung
Diversität und Finanzen – wie passt das zusammen? Buchhalter oder Controller an sich wurden (und werden teilweise immer noch) als eher konservative Zahlenfreaks wahrgenommen. Wer an eine Finanzabteilung denkt, verbindet damit also nicht unbedingt die Begriffe Vielfältigkeit, Kreativität oder Offenheit. Fairerweise sei jedoch darauf hingewiesen, dass auch die Finanzberufe sich enorm weiterentwickelt haben. Zudem ist in immer mehr Unternehmen eine diverse Belegschaft die Zielsetzung. Wie steht es also um die Finanzabteilung? Und ist die LGBTQIA-Community hier bereits gut integriert? Aktuelle Studienergebnisse zeigen eine interessante Entwicklung.
Mehr Toleranz im Arbeitsleben
Für die globale Studie "Diversifying Global Accounting Talent" des Institute of Management Accountants (IMA) wurden knapp 9.000 Teilnehmer befragt. 12,37 % der Teilnehmer kamen aus Deutschland. Die Analyse zeigt, dass 81 % der Befragten die gleichgeschlechtliche Ehe befürworten. 86 % glauben, dass Homosexualität in der Gesellschaft akzeptiert wird. Doch wie geht es der LGBTQIA-Community bei ihrer Arbeit im Accounting-Bereich?
Hier gibt es noch viele negative Erfahrungen:
- 43 % berichten, dass Führungskräfte ihnen mit unfairen Vorurteilen gegenübertreten oder generell voreingenommen sind. Das hatte negative Auswirkungen auf eine Beförderung.
- 32 % heben hervor, dass sie im Rahmen des Recruitment-Prozesses nicht immer fair behandelt wurden.
- 25 % weisen darauf hin, dass sie nicht den gleichen Zugang zu Unterstützern und Mentoren im Unternehmen haben.
71 % der befragten LGBTQIA-Personen fühlen sich von ihren Kollegen im Finanzbereich respektiert. Doch leider kommt es immer wieder zu diskriminierenden Situationen. So mussten sich z. B. 85 % der Befragten abwertende Kommentare und Witze über die Community anhören. 84 % machten bereits die Entdeckung, dass andere Fachkräfte mit vergleichbarer (oder sogar weniger) Ausbildung bzw. Erfahrung bessere Vergütungen erhielten.
Warum Förderung so wichtig ist
Diversität und Inklusion sind keine Nebensächlichkeiten. Mehr Diversität am Arbeitsplatz heißt nicht nur, dass Diskriminierung bekämpft und für mehr Toleranz geworben wird. Es geht auch darum, eine offene und vielfältige Belegschaft zu entwickeln. Verschiedene Studien haben bereits festgestellt, dass Diversität sich auszahlt und Innovationen schafft. So zeigte beispielsweise eine PwC-Studie bereits 2019, dass diverse Unternehmen eine 14-mal höhere Wahrscheinlichkeit haben, innovativer als die Wettbewerber zu sein. Die Mitarbeiterzufriedenheit steigt. Und wer sich gerecht behandelt fühlt, denkt nicht zwangsläufig über einen Arbeitgeberwechsel nach. Über 2/3 der befragten LGBTQIA-Personen hat bereits aufgrund fehlender Inklusionsmaßnahmen ein Unternehmen verlassen und 56 % haben aufgrund fehlender Gleichbehandlung den Arbeitgeber gewechselt. Ein Ergebnis, dass in Zeiten von Fachkräftemangel besonders weh tut.
Immer mehr Unternehmen verankern deshalb Diversity & Inclusion (D&I) in ihrer Unternehmenskultur. Zufriedenere Mitarbeiter und Kunden geben ihnen recht: Diese Unternehmen sind innovativer und können ihre Umsätze steigern. Die Maßnahmen tragen also zum Unternehmenserfolg bei.
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