CDR SUMMIT 2023: Ein Rückblick
Kaum ist die Digitalisierung verstanden, wartet die nächste Baustelle: die nachhaltige Transformation. Auch in der IT sprechen Expertinnen und Expertinnen über die kommenden Herausforderungen. So zum Beispiel am 26. Januar in Karlsruhe beim zweiten CDR SUMMIT der HINTE Expo & Conference GmbH. Im Zentrum für Kunst und Medien versammelten sich IT-Unternehmen wie Bechtle, Cisco, SAP, Fujitsu, Hewlett-Packard und IBM sowie Speaker aus Politik und Medien. Doch wie nachhaltig kann eine Branche sein, deren Anteil an den CO2-Emissionen der Bechtle-Geschäftsführer Richard Einstmann bis 2023 auf acht Prozent schätzt?
Klimaschutz aktuell: Warum und warum bisher nicht?
Wohin die Reise geht, wenn nicht gehandelt wird, wurde gleich nach der Begrüßung am Morgen deutlich. Bei seiner Opening Keynote über die Folgen des Klimawandels lieferte der Meteorologe und TV-Moderator Sven Plöger nüchterne Zahlen und eindrückliche Bilder. Und er fand klare Worte: „Wir werden das 1,5 Grad-Ziel nicht schaffen.“ Was der Klimawandel mit Menschen macht und warum viele immer noch nichts dagegen tun, diese Fragen behandelte Katharina van Bronswijk von „Psychologists and Psychotherapists for Future“. Und damit lag die Messlatte schon recht hoch.
Wir werden das 1,5 Grad-Ziel nicht schaffen.
(Sven Plöger)
Über die Rolle von Corporate Digital Responsibility sprach Martin Wimmer vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Neben Nachhaltigkeitsreporting, Net Zero, Kreislaufwirtschaft, Green Washing und werteorientierter Kommunikation ging es auch um die Twin Transformation, die gemeinsame Transformation von Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Eine mögliche Lösung lieferte Frank Nebgen von Cisco: Die „Sustainable IT“ werde selbst nachhaltig und die „IT for Sustainability“ unterstütze andere bei diesem Vorhaben. Ähnlich argumentierte auch Christian Boos von SAP, der sein Unternehmen als „exampler“ und als „enabler“ vorstellte. Sind das zukunftsfähige Versprechen oder der Ausdruck überhöhten Technikglaubens?
IT in der nachhaltigen Transformation: Verantwortung und Wettbewerb
An diesem Tag zeigten die Teilnehmenden, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst sind. Sie lieferten die Zahlen zu ihrem nachhaltigen Status quo, sprachen über Nachhaltigkeit als strategisches Ziel sowie darüber, wie sie Emissionen vermeiden und reduzieren könnten. Und kaum ein Vortrag verging ohne den Hinweis auf Scope 3 – Emissionen, die entlang der Wertschöpfungskette entstehen und doch nur schwer zu erfassen sind. Was zum Beispiel mit Elektrogeräten am Ende des Lebenszyklus geschieht, damit müssen sich besonders IT-Unternehmen in Zukunft stärker befassen.
Was zum Beispiel mit Elektrogeräten am Ende des Lebenszyklus geschieht, damit müssen sich besonders IT-Unternehmen in Zukunft stärker befassen.
Und das war noch nicht alles: Der Fokus scheint bei den IT-Unternehmen schon jetzt über die Pflichten und Aufgaben hinauszugehen. In einem Umfeld, das von gesetzlichen Rahmenbedingungen, von einem veränderten Markt und chronischem Ressourcenmangel definiert wird, bleibt der Unternehmensführung nichts als die Flucht nach vorne. Nachhaltigkeit verstehen sie heute auch als einen Wettbewerbsvorteil. Nachhaltigkeit als must-have statt nur nice-to-have.
Nachhaltiges Wirtschaften: Wissen war gestern. Handeln ist heute.
Im abschließenden Panel fasste der Marketing-Experte Dennis Lück dann zusammen, worum es bei nachhaltigem Wirtschaften im Kern geht: „Nachhaltigkeit ist Verhalten, ein Glaubensbekenntnis. Keine Software, kein Produkt.“ Das Bewusstsein um nachhaltige Probleme und Herausforderungen hat die IT-Branche sicherlich erreicht. Ob die Verantwortlichen ihre Ziele erreichen und ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten werden, entscheidet sich aber in der Praxis. Oder wie es Sven Plöger zum Auftakt formulierte: „Wir haben kein Wissensproblem, sondern ein Handlungsproblem.“
Nachhaltigkeit ist Verhalten, ein Glaubensbekenntnis. Keine Software, kein Produkt.
(Dennis Lück)
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