Nachhaltigkeit als Kompass: Wie Unternehmen erfolgreich umsteuern

Wie gut ist Ihre Corporate Responsibility-Abteilung? Wuppt sie das Thema Nachhaltigkeit, ohne die anderen Unternehmensbereiche weiter zu behelligen? Dann sollten Sie sich Gedanken machen. Denn die Verantwortung Ihres Unternehmens ist zu umfassend, als dass sie diese an einen einzigen Unternehmensbereich auslagern könnten. Die rechtlichen Anforderungen an ESG (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) sind weiterhin streng, auch wenn vielerorts gerade versucht wird, das Rad zurückzudrehen.
Raus aus der CR-Nische
Nachhaltigkeit ist kein Nischenthema, sondern muss in der gesamten Organisation verankert werden. Um unsere Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, brauchen wir nicht immer mehr Nachhaltigkeitsmanager:innen, sondern Beschäftigte in allen Abteilungen und Unternehmensbereichen, die ihren Job nachhaltiger erledigen.
Wie lässt sich das erreichen? Die Telekom fährt zweigleisig:
- Wir arbeiten an unserer Unternehmenskultur und haben Strukturen verändert.
- Wir vermitteln zielgruppengerecht Nachhaltigkeitswissen.
Strategisch wichtig: Unterstützung des Vorstands
Nur wenn das Top-Management hinter den Nachhaltigkeitszielen steht, werden die Mitarbeitenden mitziehen. Ohne eine Verankerung in den Ziel- und Führungsstrukturen des Unternehmens und in den zentralen Entscheidungsprozessen wird die Transformation zu einem nachhaltigen Unternehmen nicht gelingen. Bei der Telekom haben wir schon früh ESG in die strategischen Steuerungselemente integriert und die variable Vergütung des Vorstands an dessen ESG-Zielerreichung gekoppelt. Als deutliches Signal an unserer Belegschaft hat der gesamte Vorstand 2022 in einem Livestream unsere ESG-Strategie vorgestellt.
Nachhaltigkeit in der Organisation verankern
Wir haben Nachhaltigkeit organisatorisch in allen Unternehmensbereichen verankert. In jedem Segment gibt es eine:n CR-Manager:in und eine:n CR-Controller:in. Damit hat unsere CR-Abteilung nicht nur überall im Unternehmen Anspielstationen, sie erhält auch von überall Rückmeldung zu Nachhaltigkeitsinitiativen des jeweiligen Bereichs. Wir bauen aber auch auf das Nachhaltigkeitsengagement unserer Beschäftigten. Denn inzwischen haben sich fast 300 Mitarbeitende in der Green Pioneer Community zusammengefunden. Nachhaltigkeit ist ihnen ein echtes Anliegen, sie engagieren sich stark für die nachhaltige Transformation unseres Unternehmens, achten auf unser Umsetzungstempo und haben mit ihrer Begeisterung viele Kolleg:innen angesteckt. Mein Tipp: Wenn es in Ihrem Unternehmen „Grasroot“-Initiativen gibt, sollten Sie diese unbedingt fördern und sich mit ihnen vernetzen.
Fachwissen allein reicht nicht mehr
Unsere Beschäftigten wissen, dass sie sich mit ökologischen und sozialen Fragen auseinandersetzen müssen. Dafür benötigen die Mitarbeitenden aber auch ein Weiterbildungsangebot, das auf ihren konkreten Job zugeschnitten ist. Wir haben dafür auf unserer Lernplattform einen Sustainability Campus aufgebaut und uns die Unterstützung eines externen Anbieters geholt.
Im ersten Schritt haben wir uns auf Inhalte konzentriert, die Aufmerksamkeit und ein gemeinsames Grundverständnis für das Thema Nachhaltigkeit schaffen. Unsere Beschäftigten sollen verstehen, warum Nachhaltigkeit für unser Unternehmen so bedeutend ist. Welche Chancen und Risiken sich mit dem Thema verbinden – und warum es auf jede und jeden ankommt. Jedes Unternehmen muss vermitteln, wie sich die eigenen Produkte und Dienstleistungen auf Umwelt und Gesellschaft auswirken. Wie man sich im Arbeitsumfeld inklusiv und diskriminierungsfrei verhält und wie wir gewährleisten, dass wir uns bei der täglichen Arbeit nach dem Wertekompass des eigenen Unternehmens ausrichten.
Welche ESG-Kompetenzen brauchen wir?
Die Frage, welche Nachhaltigkeitskompetenzen künftig entscheidend sein werden, lässt sich nicht leicht beantworten. Denn jeder Job verlangt ein anderes Know-how. Unternehmen müssen für nahezu jedes Kompetenzprofil prüfen, welches Skillset ergänzt werden muss und dann entsprechende niedrigschwellige Weiterbildungsangebote bereitstellen.
Wir tun dies mit unserem Sustainability Campus, dem wir sukzessive webbasierte Trainings zu allen drei Bereichen von ESG hinzufügen. Zum jetzigen Zeitpunkt deckt er längst nicht alle Skills ab, die unsere Beschäftigten benötigen. Wir haben mit dem Basiswissen für Themen wie Kreislaufwirtschaft, Klimaneutralität, Diversität und digitale Teilhabe angefangen, die uns sehr wichtig sind. Nun fächern wir diese Themen in diversen Videos und anderen Lerninhalten immer weiter auf, spezifizieren die Inhalte und stellen immer auch den Bezug zur Telekom her. Dank des modularen Aufbaus können wir auf neue Entwicklungen problemlos reagieren. Die Unternehmenssegmente stellen zusätzlich eigene Inhalte ein. Wir nutzen gezielt vorhandene Trainings aus anderen Fachbereichen, wie etwa Compliance und Datenschutz, und verknüpfen sie inhaltlich, aber auch technisch, mit unseren bestehenden ESG-Inhalten und -trainings. Dies zeigt den Mitarbeitenden, dass diese Themen auch im größeren ESG-Kontext von Bedeutung sind, ohne dass wir solche Trainings komplett neu entwickeln müssen. Neben den allgemeinen Infos vermitteln wir inzwischen auch zielgruppenspezifische Inhalte: Solche Lerneinheiten richten sich dann an unsere IT, an den Vertrieb oder die Führungskräfte. Dort erklären wir praxisbezogen, wie sich der jeweilige Job nachhaltiger ausrichten lässt.
Zertifizierte Lernreisen als Anreizsystem
Aus dem Austausch mit anderen Unternehmen lernen wir, dass insbesondere Unternehmen, bei denen Nachhaltigkeitsprozesse eine zentrale Rolle spielen, zunehmend auf zertifizierte Lernreisen setzen. Sie dienen nicht nur der Weiterbildung, sondern auch als Anreizsystem, da sie klar definierte Abschlüsse bieten, die den Mitarbeitenden einen greifbaren Mehrwert verschaffen. Es ist entscheidend, dass Mitarbeitende ein tiefes Verständnis für die Nachhaltigkeitsaspekte ihrer Produkte entwickeln. Unternehmen, die diesen Weg eingeschlagen haben, berichten von positiven Erfahrungen und Erfolgen, die sie dank strukturierter und zertifizierter Weiterbildungsmaßnahmen erzielen konnten.
KI für Trainings nutzen
Besonders spannend finde ich, dass neben Fachthemen auch konkrete Digitalisierungsthemen und der Einsatz innovativer Technologien wie Künstlicher Intelligenz im Bereich Nachhaltigkeit zunehmend nachgefragt werden. So hat unser Vertrieb einen ESG-Assistenten, einen KI-Bot mit unserem spezifischen ESG-Wissen, entwickelt, der Antworten liefert, wenn Kunden zum Beispiel nach unseren CO₂-Emissionen aus dem vergangenen Jahr fragen. Solche KI-Assistenten werden wir sukzessive auch auf andere Unternehmensbereiche und deren Jobprofile zuschneiden. Gute Erfahrungen machen wir gerade mit Avataren. Sie haben einen großen Vorteil: Für Videos fallen keine Drehtage an, wenn mein virtuelles Ich meine Texte spricht – und das übrigens in vielen Konzernsprachen. Und momentan sorgen solche Avatare bei unserem Publikum noch für einen Aha-Moment.
Neue Aufgaben für den Nachhaltigkeitsbereich
Mit den diversen Campus-Angeboten verankern wir Nachhaltigkeitskompetenzen in der gesamten Organisation. Das ist sicherlich die wichtigste Stoßrichtung der Skillentwicklung – aber nicht die einzige. Parallel dazu erweitern wir das Wissen unserer Führungskräfte. Wir müssen sie befähigen, die Komplexität des Themas zu managen, ihre Position auch gegen Kritik zu behaupten und Nachhaltigkeit in ihren Teams zu fördern. All das erfordert, dass auch die Nachhaltigkeitsbereiche der Unternehmen neue Skills erwerben, denn unsere Arbeit verändert sich: In Zukunft wird vor allem Transformationsbegleitung gebraucht, damit sich unsere Unternehmen zu nachhaltig wirtschaftenden Organisationen entwickeln.
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