"Eine wasserdichte Dokumentation bedeutet Risikoreduktion"

Herr Grellier, Daten nehmen in der Immobilienwirtschaft eine immer wichtigere Rolle ein. Der Branche wird aber nachgesagt, sie sei im Umgang mit Daten noch etwas unbeholfen. Würden Sie dem zustimmen?
Alexandre Grellier: In der Transaktionsphase ist die Immobilienbranche schon recht digital aufgestellt, aber die Haltephase ist noch durch Prozessbrüche geprägt. So sind Objekt- und Portfoliounterlagen über viele verschiedene Speicher- und Ablageorte verteilt. Einige Informationen liegen etwa nur beim Property Manager, andere nur beim Mieter, wieder andere existieren in vielen verschiedenen Arbeitsversionen. Teilweise können Dokumente nicht auffindbar sein, weil der ehemalige Sachbearbeiter gar nicht mehr für das Unternehmen aktiv ist und seine persönliche Ablage verwendet hatte. In der Praxis führt das zu Problemen.
Welche zum Beispiel?
Nehmen wir einmal die "Time to market", also die Zeit, bis eine Immobilie am Markt angeboten werden kann. Sie kann bei den genannten Prozessbrüchen bis zu sechs Monate betragen. In diesen volatilen Zeiten ist es ein großer Nachteil. Angesichts der Zins- und damit einhergehenden Preisschwankungen wird der Faktor Zeit immer wichtiger. Um dem zu begegnen, müssen bei jedem Deal die Objektinformationen und Dokumente mit der Immobilie den Besitzer wechseln.
Gibt es noch weitere Herausforderungen, die durch fehlende Daten entstehen?
Asset Manager, Immobilienanwälte und Investment Manager sind hoch bezahlte Profis und trotzdem wird ihre wertvolle Zeit oft damit verschwendet, dass sie fehlenden Dokumenten nachjagen müssen, verschiedene Dokumentenversionen abgleichen müssen oder diverse Speicherorte pflegen müssen. Das macht weder Spaß noch ist es effizient, denn die Zeit wäre besser in die Wertentwicklung des Assets selbst investiert. Zudem wird in der jetzigen Marktphase die Dokumentationsqualität einer Immobilie wieder wichtiger, denn eine wasserdichte Dokumentation bedeutet eine Risikoreduktion. Als Verkäufer muss man mit Preisabschlägen rechnen, wenn etwa in Zukunft eine Nachbarschaftsvereinbarung nicht vorliegt oder der Zusatz zur Baugenehmigung verloren gegangen ist.
Das haben Sie also zum Anlass genommen, eine neue Cloud-Lösung zu entwickeln?
Ja, mit Lifecycle adressieren wir die Probleme und bieten ein Tool für die Haltephase, in der der Asset Manager sich auf die Wertentwicklung des Assets konzentriert. Wenn es dann zum Verkaufsfall kommt, sind alle Informationen direkt verfügbar. Mit der Free-to-use-Lösung für die Asset Management-Phase senken wir Zugangshürden und ermöglichen es Investoren und Asset Managern, ihre Dokumentation zu ordnen und jederzeit transaktionsbereit zu sein.

Aber was haben Sie davon, ein kostenloses Modell anzubieten?
Wir wollen als Erstes die Informationsqualität und das Informationsmanagement im Immobilienmarkt verbessern. Mit unserer Lösung bleiben die Dokumente, wie gesagt, da, wo sie hingehören: nämlich bei der Immobilie. Das gibt der Branche mehr Transparenz und die Möglichkeit, jederzeit und zentral auf die aktuelle Dokumentation zu ihren Immobilien oder anderen Investments zuzugreifen. Damit machen wir den Markt effizienter und transparenter – wovon die ganze Branche profitiert. Langfristig sollen alle Informationen und Dokumente am Immobilienmarkt über Drooms Lifecycle ausgetauscht und gehandelt werden.
Und wie generieren Sie Einnahmen?
Die Transaktionsdatenräume bleiben weiterhin kostenpflichtig. Mit unserem kostenlosen Angebot für die Haltephase der Immobilie können Asset Manager professionell und umfassend arbeiten. Die Extraservices unserer Lifecycle-Bezahlpakete bringen aber noch einmal einen echten Mehrwert.
Wie kann die Immobilienbranche darüber hinaus von Datenräumen profitieren?
Der Datenraum der Zukunft kann schon viel mehr als nur Dokumente abspeichern. Und wir werden künftig noch viel mehr entlang der Wertschöpfungskette anbieten können. Ein gutes Beispiel dafür sind Schnittstellen, die digitale Behördengänge ermöglichen. Außerdem verfügen Datenräume über zahlreiche Features, wie eine Indexierung oder Suchfunktion. Ein weiterer Trend ist künstliche Intelligenz, die den Umgang mit Daten ebenfalls verändern wird. Schon jetzt gibt es KI-basierte Übersetzungs- und Sortierungstools.
Welche Rolle spielen ESG-bezogene Daten?
Die Verfügbarkeit und Qualität von Daten ist essenziell, um den wachsenden ESG-Anforderungen des Regulators Genüge zu tun. Gerade während der Haltephase kann die Qualität und Verfügbarkeit ESG-bezogener Daten noch verbessert werden. Da helfen unsere Datenräume. Übrigens – zum Thema Datenschutz: Wir verarbeiten und speichern Daten ausschließlich auf Servern in der EU.
Vielen Dank für das Gespräch.
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