Warum der Mensch im Mittelpunkt der KI-Strategie stehen muss
Mitarbeitende zuerst: HR-Management neu denken
Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, dass die Mitarbeitenden den Schwerpunkt der generativen KI-Strategie bilden sollten – und nicht andersherum. Das klingt selbstverständlich, wird in der Praxis aber häufig vernachlässigt.
Drei Dimensionen verdienen besondere Aufmerksamkeit:
- Unternehmenskultur: Um die Potenziale generativer KI zu nutzen, müssen Unternehmen ihre Kultur anpassen. Das umfasst Mitarbeiterschulungen für den ethischen Einsatz von KI, die Anpassung beruflicher Identitäten, die Förderung einer Kultur der Zusammenarbeit zwischen Menschen und KI sowie gezielte Managementkommunikation.
- Mitarbeitende: Unternehmen sollten neue Fähigkeiten aufbauen und gezielt einstellen, Personal umqualifizieren oder umstrukturieren, neue Managementkompetenzen für KI-gestütztes Personal entwickeln und die Personalrekrutierung langfristig auf das KI-Zeitalter ausrichten.
- Organisationsstruktur: Für den Erfolg von generativer KI ist die Anpassung der Organisationsstruktur entscheidend. Unternehmen sollten die Kadenz von KI-Initiativen steuern, Rollen und Verantwortlichkeiten neu definieren und die Organisationsstruktur für Large Language Models und Datenwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler optimieren.
Kulturwandel als Fundament: Das Beispiel Otto Group
Wie ein solcher Wandel in der Praxis aussehen kann, zeigt die Otto Group. Im Rahmen des 2015 gestarteten kulturellen Transformationsprozesses hat die Unternehmensgruppe gelernt, Veränderungen mit Offenheit zu begegnen und sich flexibel auf neue Marktsituationen einzustellen. Transparenz, Partizipation, Eigenverantwortung sowie Lern- und Anpassungsfähigkeit prägen seitdem die Unternehmenskultur.
Diese kulturellen Rahmenbedingungen fördern die Bereitschaft, sich auf neue Technologien wie generative KI einzulassen und sie in die Organisation zu integrieren. Die Botschaft der Otto Group ist klar: Aktuelle Ausbaustufen entfalten noch nicht das volle Potenzial der Technologie – derzeit sehen wir nur die Spitze des Eisbergs. Dennoch sei es essenziell, sich bereits jetzt intensiv mit den technologischen Möglichkeiten auseinanderzusetzen und zentrale Kompetenzen für das KI-Zeitalter aufzubauen.
Empowered Employees: Weiterbildung, Vernetzung, Inspiration
Aus diesem Grund wurde die Einführung von ogGPT bei der Otto Group umfassend begleitet: von Intro-Sessions, in denen die grundlegende Funktionsweise erklärt wird, über intensive Prompting-Workshops und die gruppenweite „Discover AI“-Community mit eigener Konferenz bis hin zu Hackathons mit Partnern wie Microsoft und Google. Im Zentrum stehen Wissensvermittlung, Kompetenzaufbau und Vernetzung.
Ebenso wichtig ist Inspiration. Wofür kann ich ogGPT im Arbeitsalltag nutzen? Wie setzen Kolleginnen und Kollegen es ein? Ein interdisziplinäres Team gibt mit Formaten wie dem „Use Case of the Week“ Antworten: konkrete Anwendungsfälle inklusive Schritt-für-Schritt-Anleitung, Beispiel-Prompts und Tipps.
46 Use-Cases eingereicht
Im Mai 2024 drehte sich an vier Montagen alles rund um das Thema KI: Im Rahmen der Event-Reihe „mAI“ haben interne Expertinnen und Experten in mehr als 25 praxisnahen Sessions ihr Wissen geteilt – von Best Practice Prompting bis zu Top Use Cases für ogGPT.
Beim internen „GenAI@Work“-Award waren Kreativität und Innovationsgeist gefragt: Gesucht wurden konkrete GenAI-Use Cases, die einen Mehrwert im Arbeitsalltag stiften – ganz gleich, ob technisch umgesetzt oder noch als Idee. 46 Use Cases wurden eingereicht und von einer Fachjury anhand von Adaptionsfähigkeit, Effektivität, Effizienz, Innovation und Skalierbarkeit bewertet.
Von Betroffenen zu Beteiligten: Das KI-Influencer-Programm
Eine grundlegende Unternehmenskultur, die auf Zusammenarbeit basiert, bildet das Fundament für die Nutzung generativer KI in Software-Anwendungen. Die Otto Group hat verstanden, dass KI jeden Mitarbeitenden betrifft – und hat KI-Betroffene zu Beteiligten an der GenAI-Transformation gemacht.
Das KI Influencer Programm startete mit zwölf KI-Multiplikatorinnen und -multiplikatoren, die ihre Präsenz und ihr Ansehen im Unternehmen nutzen, um KI-Anwendungen zu bewerben. Sie werden von drei Prinzipien geleitet:
- Seien Sie Vorbild, indem Sie das Gelernte über generative KI in Ihrem Alltag authentisch umsetzen
- Befähigen Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen, indem Sie Ihr Wissen zu GenAI weitergeben und ihre Entwicklung unterstützen
- Überdenken Sie die GenAI-Produkte und internen Prozesse der Otto Group und bringen Sie innovative Ideen ein, um sich ständig weiterzuentwickeln
Responsible Commerce: Datenverantwortung als Leitlinie
Bei der Nutzung von KI setzt die Otto Group auf Datenverantwortung als Leitlinie. Das Unternehmen hat verstanden, dass Kundendaten entscheidend für den Erfolg von GenAI-Anwendungen sind – das Vertrauen der Kundinnen und Kunden aber noch wichtiger ist als die Daten selbst. Künstliche Intelligenz ist für die Otto Group kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, um Handel und Logistik zu unterstützen. Der Mensch bleibt dabei immer in der Verantwortung – das nennt die Otto Group „Responsible Commerce“.
Die „KI-Leitlinien“ der Unternehmensgruppe definieren dafür strenge Richtlinien:
- Vorrang des Menschen vor der KI
- Vertrauen durch Transparenz
- Nichtdiskriminierung, Vielfalt und Fairness
- Nachhaltigkeit
- Sicherheit und Robustheit gegenüber Manipulation
- Datenschutz und Datenmanagement
- Verantwortung, Haftung und Rechenschaftspflicht
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Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt auf Victoria Riess‘ Buch „ESG Leadership“, das 2026 bei Schäffer-Poeschel erschienen ist. Sie finden das Buch in der Buchhandlung Ihres Vertrauens, aber auch im Haufe Shop .
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