Monitoringbericht mit Bremsspur?
Die Bundesministerin für Wirtschaft und Energie Katherina Reiche (CDU) hat ihren Monitoringbericht zur Energiewende vor, flankiert von zehn Schlüsselmaßnahmen. Statt Aufbruchstimmung dominiert Skepsis: Geht Deutschland beim Ausbau der erneuerbaren Energien auf die Bremse? Was bedeutet das für Strompreise, Versorgungssicherheit und die Rolle der Immobilienwirtschaft? Und warum bleibt der Netzausbau das entscheidende Nadelöhr?
Für die Immobilienwirtschaft sind diese Fragen keine abstrakten politischen Debatten, sondern direkt entscheidende Faktoren für Kalkulation, Rendite und Werterhalt.
Systemverantwortung oder Kostenverlagerung?
Was als nüchterne Bilanz angekündigt war, liest sich bei genauerem Hinsehen wie ein Kurswechsel. Weniger Tempo beim Ausbau erneuerbarer Energien, stärkerer Fokus auf Kosten und Unsicherheiten, mehr "Systemverantwortung" für Betreiber – lautet die neue Tonlage.
Auffällig wirkt unter anderem die Absenkung der Strombedarfsprognose. Statt der bislang angenommenen 750 Terawattstunden bis 2030 rechnet das Ministerium nun nur noch mit 600 bis 700 Terawattstunden. Begründet wird das mit langsamerer Verbreitung von Elektromobilität, Wärmepumpen und Elektrifizierung der Industrie. Wer den Bedarf nach unten rechnet, muss weniger Ausbau rechtfertigen. Das wirkt wie ein eleganter Weg, Ziele zu verschieben – mit Folgen für Solar- und Windkraft.
Investoren und Eigentümergemeinschaften, die Planungssicherheit benötigen, sehen sich mit wachsender Unsicherheit konfrontiert. Große Worte prägen die Strategie, kleine Schritte die Realität. Während erneuerbare Energien längst das Rückgrat der Stromversorgung bilden, wächst das Risiko eines Kurswechsels in eine fossile Sackgasse.
Illusion günstiger Strompreise
Besonders irritierend wirkt die Forderung nach mehr "Systemverantwortung" von Wind und Solarparkbetreibern. Gemeint ist eine stärkere Kostenbeteiligung von Betreibern erneuerbarer Anlagen am Netzausbau. Was nach technischer Notwendigkeit klingt, läuft in der Praxis auf Kostenverlagerung hinaus. Denn die eigentliche Ursache für Engpässe liegt nicht in einem Übermaß an Solar- und Windparks, sondern im quälend langsamen Ausbau der Netze.
Mehr als 13.000 Kilometer Leitung müssen ertüchtigt oder neu gebaut werden. Planung, Genehmigung und Umsetzung ziehen sich über Jahre. Projektierer erleben immer wieder, dass selbst grundlegende Informationen über Netzanschlüsse spät oder unvollständig bereitgestellt werden. Eigentümergemeinschaften kennen vergleichbare Verzögerungen selbst aus der Praxis von Sanierungen und Infrastrukturmaßnahmen. Ohne verlässliche Zusagen verlieren alle Beteiligten Zeit und Geld.
Gründe für steigende Endkundenpreise
Das Versprechen günstiger Strompreise durch fossile Brückentechnologien erweist sich als Trugschluss. Strompreise orientieren sich weiterhin eng am Gaspreis – mit allen geopolitischen Risiken. Entscheidend erweist sich dabei die sogenannte Merit-Order: Das teuerste benötigte Kraftwerk bestimmt den Preis für alle. So schlagen hohe Gaspreise auch auf Strom aus Wind und Sonne durch.
Hinzu kommen Netzentgelte für Transport und Verteilung sowie staatliche Abgaben und Steuern. Für die Immobilienwirtschaft und Investoren bedeutet das: Jeder zusätzliche Euro bei den Nebenkosten schmälert die Rendite, erhöht den Verwaltungsaufwand und mindert schlussendlich die Attraktivität von Immobilien. Und auch wenn Sonne und Windstrom heute zu Rekordtiefen produziert werden können, bleiben Endverbraucherpreise hoch.
Gründe sind dabei ein steigender Bedarf durch Elektromobilität und Wärmepumpen, der Ersatz alter Kraftwerke durch neue Anlagen, hohe Investitionen in Netze, Speicher und Steuerungstechnik sowie Inflation. Hinzu kommt der stetig steigende Preis für CO2-Emissionen, der die Kosten fossiler Stromproduktion zusätzlich nach oben treibt und damit den Druck auf Verbraucher wie Investoren weiter erhöht.
Für die Immobilienwirtschaft bedeutet das konkret: Steigende CO2-Kosten schlagen nicht nur auf Strompreise durch, sondern wirken sich auch direkt auf Heiz- und Betriebskostenabrechnungen aus und damit auf die Attraktivität und Wertentwicklung von Gebäuden. Photovoltaik wirkt hier preisdämpfend, doch ihr Potenzial entfaltet sich erst bei schneller Netzanbindung und fairer Abgabestruktur. Für Vermieter entsteht Druck auf die Mietrendite, für Eigentümergemeinschaften wächst der Aufwand, die Energiekosten im Griff zu behalten.
Teure Brücke in die fossile Sackgasse
Wer heute in Immobilien investiert, schaut nicht mehr nur auf Lage und Bauqualität. Die Energieversorgung und die langfristigen Betriebskosten sind zum entscheidenden Kriterium geworden. Das gilt sowohl für private Vermieter als auch für institutionelle Investoren.
Die Bundesregierung verweist auf Versorgungssicherheit – doch die geplanten Dimensionen sind fragwürdig. Zwischen 22 und 35,5 Gigawatt steuerbare Kapazitäten gelten bis 2035 als notwendig. Politisch übersetzt könnte das in einen vermeintlichen Bedarf von bis zu 71 neuen Gaskraftwerken in den 500 Megawatt-Klasse enden. Damit würden Milliarden gebunden, die im Netzausbau und bei Erneuerbaren fehlen.
Für die Immobilienwirtschaft bedeutet das: Strompreise bleiben eng an Gas gekoppelt – mit unkalkulierbaren Risiken. Gleichzeitig droht eine Finanzierungslücke bei Infrastruktur und erneuerbaren Projekten, die für Eigentümer, Vermieter und Investoren entscheidend ist. Der Immobilienmarkt steht ohnehin unter Druck: steigende Baukosten, hohe Zinsen, ESG-Anforderungen. Hinzu kommt die Energiefrage.
Immobilienwerte hängen am Energiesystem
Investoren kalkulieren längst mit Energiekosten in ihren Businessplänen. Eigentümergemeinschaften wissen, dass jede Kilowattstunde Solarstrom die Nebenkostenabrechnung entlastet. Und Mieter achten zunehmend darauf, ob ihre Wohnung mit günstiger, sauberer Energie betrieben wird. Die Energiewende ist damit kein Zukunftsthema mehr – sie entscheidet heute über Immobilienwerte.
Der Monitoring-Bericht zeigt vor allem eines: Deutschland steht an einer Weggabelung. Ein übermäßiger Fokus auf Gaskraftwerke führt in die fossile Sackgasse – mit steigenden Kosten und wachsender Unsicherheit. Mehr Photovoltaik und Windkraft hingegen schaffen stabile Preise, Versorgungssicherheit und Akzeptanz.
Für die Immobilienwirtschaft ist die Richtung eindeutig: Investitionen in Erneuerbare, Speicher und Netze sichern Werte, senken Kosten und machen Immobilien zukunftsfähig. Wer bremst, riskiert Wertverluste. Wer mutig in die Energiewende investiert, schafft Stabilität – für Eigentümer, Investoren und Mieter gleichermaßen.
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