"Wichtiger Schulterschluss mit Signalwirkung"

Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW, die Initiative Wohnen.2050 (IW.2050) und die Initiative "Praxispfad CO2-Reduktion im Gebäudesektor" bündeln beim IW.2050-Kongress 2025 ihre Kräfte, um den Klimaschutz voranzutreiben.
Der Vorstandsvorsitzende der IW.2050, GdW-Präsident Gedaschko, und sein Stellvertreter, der leitende Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt (NHW), Dr. Hain, erklären das Konzept und sprechen auch darüber, wie es sich finanzieren lässt. "DW Die Wohnungswirtschaft" unterstützt den Fachkongress, der am 21. und 22. Mai in Darmstadt stattfindet, als Medienpartner.

Herr Gedaschko, worin liegt der Mehrwert dieser Kooperation?
Axel Gedaschko: Die Veranstaltung steht für den intensiven Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Die Zusammenarbeit hat zahlreiche Vorteile: Sie vereint auf einer Bühne die wissenschaftliche Expertise der Initiative "Praxispfad CO2-Reduktion im Gebäudesektor", die strategische Branchenvertretung des GdW und die praxisnahe Erfahrung der mittlerweile 238 IW.2050-Partnerunternehmen.
Seit der Präsentation des Klimamanifests der fünf Professorinnen und Professoren der Initiative Praxispfad im November 2024 gab es zahlreiche positive Reaktionen – nicht nur aus unserer, auch aus vielen anderen Branchen. Für uns ist es enorm hilfreich, dass hier renommierte Fachleute von sich aus Forderungen erhoben haben, die wir inhaltlich teilen. Das ist ein wichtiger Schulterschluss mit einer sehr deutlichen Signalwirkung.
Beim Fachkongress im Mai gilt es nun, den Wohnungsunternehmen weitere Impulse mit auf den Weg zu geben, ebenso neueste Erkenntnisse zu Klimaschutzstrategien und Best-Practice-Beispiele aufzuzeigen. Des Weiteren heißt es aber auch, ein erstes Resümee der Initiative Praxispfad zu ziehen und die nächsten Schritte zu skizzieren.
"Paradigmenwechsel hin zur CO2-Reduktion"
Wir befinden uns zum Zeitpunkt des Fachkongresses in einer neuen politischen Konstellation. Ist das eine Chance für die Branche?
Axel Gedaschko: Exakt! In der entscheidenden Phase zum Start der neuen Legislaturperiode ist der Fachkongress der IW.2050 eine wichtige Plattform, um mit Experten, Praktikern aus der Branche sowie politischen Entscheidungsträgern über sinnvolle Vorgehensweisen und dringend notwendige Anpassungen der Gesetzgebung zu diskutieren.
Daher ist es von Vorteil, dass die IW.2050 Vertreterinnen und Vertreter der Europäischen Kommission und der Bundesregierung als Referierende und Panel-Teilnehmende gewinnen konnte. Der Austausch mit ihnen und den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wird dem Plenum spannende Einblicke gewähren und neue Perspektiven für das eigene Handeln eröffnen.
Denn eines steht fest: Die bisherigen Maßnahmen mit Fokus auf maximale Energieeffizienz sind nicht zielführend! Die politischen Rahmenbedingungen müssen schnellstens angepasst werden. Es braucht einen raschen Paradigmenwechsel hin zur CO2-Reduktion, einhergehend einen Kurswechsel in der deutschen Klimapolitik. Neben politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen steht der zweite Kongresstag ganz im Zeichen der Praxis. Er befasst sich unter anderem mit Produktivität beim Bauen und Sanieren, lokalen Kooperationen bei der Energieerzeugung, innovativen Praxisbeispielen sowie ersten Erfahrungen mit der CSRD-Richtlinie.

"Rein Energieeffizienz-bezogener Ansatz viel zu teuer"
Herr Dr. Hain, lässt sich aus Sicht der Praxis Klimaneutralität realistisch und finanzierbar gestalten?
Dr. Thomas Hain: Der bisherige Kurs mit Fokus auf Energieeffizienzvorgaben geht am Thema vorbei: Nur mit einer defossilisierten Wärmeversorgung können wir klimaneutral werden. Zudem ist ein rein energieeffizienzbezogener Ansatz viel zu teuer: Mehr Effizienzvorgaben, zusätzlich zur Defossilisierung der Wärmeversorgung, erhöhen die Kosten pro Wohneinheit und führen bei begrenzten Investitionsmitteln letztlich zu weniger Klimaschutz. Die aus teuren Maßnahmen resultierenden Mietsteigerungen bergen zudem sozialen Sprengstoff, der den Zusammenhalt der Gesellschaft gefährdet.
Wir stimmen daher dem Klimamanifest der Initiative Praxispfad zu und plädieren für einen Kurswechsel, der knappe finanzielle Ressourcen effektiver einsetzt. In den vergangenen zwei Jahren hat die IW.2050 sehr ähnliche Empfehlungen an ihre Mitglieder gegeben, wie sie jetzt von den fünf Professorinnen und Professoren vertreten werden. In den Fortschreibungen der Klimastrategie, wie der aktuellen aus meinem Haus, bestätigen sich die Ansätze. Das Finanzierungsdelta wird bestenfalls von beiden Seiten kleiner: Durch die größere Durchdringung des Portfolios mit gering-investiven Maßnahmen reduziert sich die Investitionssumme, Investitionsmittel für den Bestand steigen.
"Heizungskeller vor überzogenen Sanierungsstandards"
Welche Schnittmengen der drei beim 5. IW.2050-Fachkongress erstmals kooperierenden Institutionen gibt es aus Ihrer Sicht?
Dr. Hain: Paradigmenwechsel lautet die Parole – und: raus aus dem Finanzierungsdelta! Wie die IW.2050 in den vergangenen Praxisberichten anhand von Klimastrategien und Projektbeispielen wiederholt dargestellt hat, setzt auch die Initiative Praxispfad auf wirtschaftlich tragfähige und sozial gerechte Lösungen.
Sie zeigt Wege auf, wie mit geringeren Investitionen eine hohe CO2-Einsparung zu erreichen ist. Statt überzogener Sanierungsstandards muss der Heizungskeller, sprich die Defossilisierung der Energieversorgung, Vorrang haben. Emissionsfreie Lösungen wie Wärmepumpen sollten im Vordergrund stehen.
Anstatt auf Abriss und Neubau zu setzen, ist zunächst der Bestand klimagerecht zu optimieren und zu erhalten. Bis dato wurde in vielen Klimastrategien der Wohnungswirtschaft ein ganzheitlicher, auf Vollmodernisierungen setzender Ansatz hinterlegt. Bei der Fortschreibung muss dieser jedoch weichen – zugunsten einer Reduzierung von Eingriffstiefe und -kosten sowie einer Fokussierung auf eine regenerative Wärmeversorgung und auf Wärmepumpen. Sonstige Investitionen in den Bestand werden nur unter der Maßgabe wohnungswirtschaftlich erforderlicher Maßnahmen getätigt.
Fachkongress der Initiative Wohnen.2050: Informationen und Anmeldung Am 21. und 22. Mai findet zum fünften Mal der Fachkongress der Initiative Wohnen.2050 statt. Veranstaltungsort ist erneut Darmstadt. Das Motto 2025: "Klimaneutralität! Finanzierung? Die Wohnungsunternehmen sind auf dem Weg. Auskömmliche Finanzmittel sind nicht in Sicht." Der erste Kongresstag wird gemeinsam vom GdW, der Initiative "Praxispfad CO2-Reduktion im Gebäudesektor" und der IW.2050 veranstaltet. Der zweite Tag ist als Praxistag den Partnern und Interessenten der IW.2050 gewidmet. Detaillierte Informationen zu den einzelnen Programmpunkten und zur Anmeldung, unter anderem für interessierte Wohnungsunternehmen oder Verbände, die noch nicht Partner der IW.2050 sind, sowie für externe Teilnehmende. Hinweis: IW.2050-Partner erhalten eine persönliche Einladung mit Möglichkeit zur Anmeldung – auch für Mitarbeitende. Das Haufe-Magazin "DW Die Wohnungswirtschaft" ist Medienpartner. |
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