Grundbuchberichtigung nach Tod eines GbR-Gesellschafters

Tod eines Gesellschafters in der Zwei-Personen-GbR
Bei einer aus zwei Gesellschaftern bestehenden GbR, die Eigentümerin eines Grundstücks und als solche in das Grundbuch eingetragen war, verstarb einer der Gesellschafter. Sein Alleinerbe war der verbleibende Gesellschafter. Mit beglaubigter Urkunde beantragte der verbleibende Gesellschafter daraufhin die Grundbuchberichtigung dahingehend, dass die GbR durch den Tod des anderen Gesellschafters beendet und das Eigentum am Grundstück auf ihn, den verbleibenden Gesellschafter, übergegangen sei. Als Nachweis fügte er eine Ausfertigung des Erbscheins bei. Das Grundbuchamt verweigerte die Grundbuchberichtigung unter Hinweis darauf, dass der Gesellschaftsvertrag der GbR nicht eingereicht worden sei. Die dagegen gerichtete Beschwerde des verbleibenden Gesellschafters beim OLG München blieb ohne Erfolg.
Vorlage des Gesellschaftsvertrags erforderlich
Das OLG München entschied, dass bei Versterben eines GbR-Gesellschafters dessen Rechtsnachfolger in den Gesellschaftsanteil (und nicht dessen Erbe) zur Bewilligung der Grundbuchberichtigung berechtigt sei. Anders als es noch das KG Berlin kürzlich entschieden hatte (Beschluss vom 29.03.2017, Az. 1 W 907/15), gehe die Berechtigung zur Grundbuchberichtigung nicht als separate Rechtsposition auf den Erben des verstorbenen Gesellschafters über, sondern ist Teil der (wie bei allen Personengesellschaften) unmittelbaren Rechtsnachfolge in den GbR-Anteil. Dies führe dazu, dass die Vorlage eines Erbscheins (oder eines sonstigen Nachweises über die Erbenstellung) nicht zum Nachweis der Bewilligungsberichtigung genüge. Vielmehr sei erforderlich, dass auch der Gesellschaftsvertrag der GbR dem Grundbuchamt vorgelegt wird. Denn erst dadurch ergebe sich, auf wen die Buchberechtigung des verstorbenen Gesellschafters (und damit die Bewilligungsberechtigung) übergegangen sei. Schließlich könnte der Gesellschaftsvertrag den Erben von der Nachfolge in den GbR-Anteil ausschließen.
Vorlage des Gesellschafterbeschlusses
Die Entscheidung beruht auf den Besonderheiten der Übertragung von GbR-Anteilen im Todesfall eines Gesellschafters:
- Ohne anders lautende Regelung im Gesellschaftsvertrag wird die GbR aufgelöst (§ 727 Abs. 1 BGB).
- Ein GbR-Anteil fällt (wie jeder Personengesellschaftsanteil) nicht in die ungeteilte Erbmasse und steht der Erbengemeinschaft zu, sondern geht sofort (bei mehreren Erben anteilig) auf die Erben über.
- Darüber hinaus kann der Gesellschaftsvertrag (wie bei jeder Personengesellschaft) bestimmen, mit dem die GbR fortgesetzt wird, d.h. auf wen der GbR-Anteil im Todesfall übergehen kann. Auf wen er tatsächlich übergeht, bestimmt das Erbrecht. Wird jedoch z.B. im Testament ein laut Gesellschaftsvertrag nicht Nachfolgeberechtigter als Erbe oder Vermächtnisnehmer für den GbR-Anteil eingesetzt, so wird dieser Widerspruch zu Gunsten des Gesellschaftsrechts aufgelöst: Mit dem Tod scheidet der Erblasser aus der GbR aus und die Erben haben nur Anspruch auf eine Abfindung.
Daher kann ohne Gesellschaftsvertrag bei einer Personengesellschaft die Rechtsnachfolge auf den Todesfall nicht bestimmt werden. Diese geht nicht allein aus dem Erbschein hervor, der nur die erbrechtliche, nicht jedoch die gesellschaftsrechtliche Seite abbildet. Und – anders als bei Kapitalgesellschaften – sind Gesellschaftsverträge bei Personengesellschaften auch nicht im Handelsregister veröffentlicht.
Die Entscheidung hat erhebliche praktische Relevanz. Bei der Grundbuchberichtigung nach dem Tod eines GbR-Gesellschafters wird man zum Nachweis der Bewilligungsberechtigung nicht umhin kommen, dem Grundbuchamt den Gesellschaftsvertrag der GbR vorzulegen oder – sofern er mündlich geschlossen wurde – dessen Inhalt eidesstattlich zu versichern. Das klang nach dem kürzlich ergangenen Urteil des KG Berlin zwar noch anders an, sollte jedoch – zumindest bis die Frage nach den Nachweisanforderungen höchstrichterlich geklärt ist – beherzigt werden, um die Zurückweisung von Grundbuchberichtigungsanträgen zu vermeiden. Der damit einhergehende Aufwand hält sich im Rahmen: das OLG München stellte ausdrücklich klar, dass der Gesellschaftsvertrag nicht in der Form des § 29 GBO (notariell beglaubigte Form) vorgelegt werden muss, sondern dass beispielsweise eine einfache Kopie des Gesellschaftsvertrags ausreicht.
Rechtsanwälte Dr. Stefan Lammel und Tina Bieniek, Friedrich Graf von Westphalen & Partner mbB, Freiburg
Lesen Sie auch:
-
Wohnrecht auf Lebenszeit trotz Umzugs ins Pflegeheim?
1.7792
-
Löschung von Kundenkonten
1.628
-
Klagerücknahme oder Erledigungserklärung?
1.424
-
Wann muss eine öffentliche Ausschreibung erfolgen?
1.396
-
Gerichtliche Ladungen richtig lesen und verstehen
1.346
-
Wie kann die Verjährung verhindert werden?
1.284
-
Brief- und Fernmelde-/ Kommunikationsgeheimnis: Was ist erlaubt, was strafbar?
1.230
-
Überbau und Konsequenzen – wenn die Grenze zum Nachbargrundstück ignoriert wurde
1.102
-
Formwirksamkeit von Dokumenten mit eingescannter Unterschrift
1.0311
-
Patronatserklärungen: Wirkung, Varianten und praktische Bedeutung
998
-
Die Vereinbarung über die Steuerung von Verbrauchseinrichtungen gemäß § 14 EnWG
19.02.2025
-
D&O-Versicherung: Kein sofortiges Vertragsende bei Insolvenz
18.02.2025
-
D&O-Versicherung: Keine Deckung für Strohmann-Geschäftsführer
18.02.2025
-
Bundestag verabschiedet vor den Neuwahlen zahlreiche Gesetze im Energiewirtschaftsrecht
14.02.2025
-
Internationale Arbeitsgruppe unter Vorsitz der BfDI beschließt Papiere zu LLMs und Data Sharing
11.02.2025
-
Employee-Buy-Out als Nachfolgelösung für Unternehmen
28.01.2025
-
Geschäftsaufgabe und Überbrückungshilfen: Herausforderungen und rechtliche Risiken
15.01.2025
-
Sozialversicherungspflicht von GmbH-Geschäftsführern
14.01.2025
-
Seit dem 1.11.2024 gelten neue Meldepflichten für wirtschaftlich Berechtigte in China
13.01.2025
-
Bürokratieentlastungsgesetz IV schafft Meldepflicht in Beherbergungsstätten für deutsche Gäste ab
10.01.2025