Interview: Wie altersgemischte Teams besser arbeiten
Haufe Online-Redaktion: Gibt es eine Regel, wann altersgemischte Teams besser oder schlechter sind?
Dr. Hans-Dieter Schat: Eine allgemeingültige Regel gibt es nicht. Die Frage ist: Wozu will ich altersgemischte Teams einsetzen? Es gibt drei Aufgaben, die altersgemischte Teams besonders gut übernehmen können: Produkte oder Dienstleistungen erstellen, Innovationen hervorbringen und Wissen von älteren Beschäftigten an jüngere weitergeben. Wo unterschiedliche Kenntnisse und Erfahrungen nötig sind, ist es sinnvoll, Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen zu beteiligen. Ähnliches gilt für Teams, die Innovationen entwickeln: In diesem Bereich sind verschiedene Blickwinkel wichtig, vor allem, wenn ein neues Produkt alle Altersgruppen ansprechen soll.
Haufe Online-Redaktion: Um den dritten Punkt „Wissenstransfer“ aufzugreifen: Wie lassen sich Jung-Alt-Tandems optimal zur Weitergabe des Know-hows älterer Mitarbeiter nutzen?
Schat: Wenn älteren Beschäftigte Wissen an jüngere weitergegeben sollen, ist das für beide Parteien häufig schwierig. Etwa dann, wenn ältere Mitarbeiter eine Stelle verlassen müssen, die sie bisher gut ausgefüllt haben. Die jüngeren Mitarbeiter müssen wiederum lernen, neue Aufgaben und damit neue Verantwortung zu übernehmen. Da reicht es nicht, einfach einen Älteren und einen Jüngeren zum Know-how-Transfer an den Tisch zu setzen.
Haufe Online-Redaktion: Was schlagen Sie vor?
Schat: Häufig ist es notwendig, dass eine Führungskraft oder ein Coach vermittelt, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen. Und es muss klar kommuniziert werden, was das Ziel des Know-how-Transfers ist: Soll der Jüngere die guten Praktiken des Älteren einfach übernehmen? Oder gar verbessern? Fragen wie diese müssen im Vorfeld geklärt werden.
Haufe Online-Redaktion: Das Zusammenspiel ist also entscheidend: Was kann ein Unternehmer tun, um ältere Mitarbeiter optimal in das Team einzubinden?
Schat: Der Arbeitgeber sollte die Situation ganzheitlich erfassen. Ältere Mitarbeiter unterscheiden sich in einigen Punkten deutlich von jüngeren Mitarbeitern: Gesundheitliche Probleme, bereits erzielte wirtschaftliche Unabhängigkeit oder starker beruflicher Ehrgeiz sind nur einige Aspekte, die es zu berücksichtigen gilt. Außerdem gibt es Funktionen, die mit dem Alter abnehmen und die Produktivität beeinflussen können: Ältere Arbeitnehmer benötigen etwa mehr Licht und haben kleinere Greifräume. Die Betriebe müssen individuellere Angebote anbieten und auf Wünsche einzelner Mitarbeiter gezielter eingehen.
Haufe Online-Redaktion: Kleinere Unternehmen tun das bereits.
Schat: Kleinere und mittlere Unternehmen sind es gewohnt, auf einzelne Beschäftigte zu achten und Lösungen für konkrete Situationen zu finden. Andere Betriebe hingegen spielen die Altersfrage häufig herunter. Es gibt blonde, rothaarige und eben auch grauhaarige Menschen. Wenn das Alter kein negatives Thema im Betrieb ist, hindert es auch nicht bei der Teambildung.
Haufe Online-Redaktion: Worin liegt der Gewinn für Arbeitgeber, ältere Mitarbeiter einzustellen?
Schat: Wir leben im demografischen Wandel: Es gibt immer weniger jüngere Menschen. Diese sind häufig anspruchsvoll und teuer – das können sich viele Arbeitgeber nicht mehr leisten. Grundsätzlich liegt der Gewinn bei älteren Mitarbeitern genauso wie bei jüngeren Mitarbeitern darin, dass diese die notwendigen Aufgaben erledigen. Ob dies funktioniert, hängt vom konkreten Mitarbeiter und von der konkreten Aufgabe ab – wie in jeder anderen Altersgruppe auch.
Das Interview führte Mirjam Fischer.
Dr. Hans Dieter Schat ist Soziologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer Institut System- und Innovationsforschung (ISI). Außerdem hat er Lehraufträge an diversen Hochschulen, ist Buchautor und tritt als Referent auf - zuletzt beim Stuttgarter Gespräch (23.11.) mit dem Vortrag: „Ältere Fachkräfte beschäftigen“ im FOM Hochschulstudienzentrum Stuttgart .
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