Innovative Quartiersentwicklung: autoarm, grün und smart
Euref-Campus, Berlin: Modellquartier der Energiewende
"Hier wird Zukunft gemacht", sagt Bahnchef Richard Lutz und meint damit den Euref-Campus im Berliner Stadtteil Schöneberg. Der Begriff Euref ist die Abkürzung für Europäisches Energieforum und bezeichnet ein 5,5 Hektar großes Areal mit teilweise denkmalgeschützten Gebäuden, auf dem sich einst ein Gaswerk befand. Seit 2008 entwickelt es der Projektentwickler Reinhard Müller zu einem "Modellquartier für die klimaneutrale, ressourcenschonende und intelligente Stadt von morgen", wie es bei der Entwicklungsgesellschaft Euref AG heißt.
Konzipiert ist der Euref-Campus als Gewerbequartier, in dem derzeit rund 150 Unternehmen mit 5.000 Mitarbeitenden ansässig sind. Verbunden sind diese durch eine Quartiers-App. Zukunftsgerichtet und smart ist das Energiekonzept, das auf einem Blockheizkraftwerk basiert und den gesamten Wärmebedarf des Quartiers über eine eigene Energiezentrale abdeckt. Auch mobilitätstechnisch ist der Euref-Campus ganz vorne mit dabei: Sharing-Angebote sind selbstverständlich, und schon 2018 verkehrte ein autonomer Kleinbus auf dem Areal. 2024 soll die Gesamtentwicklung abgeschlossen sein. Dann wird auch der historische Gasometer saniert sein – und Platz für Mitarbeitende der Deutschen Bahn bieten.
Smart Rhino, Dortmund: Ein Industrieareal
Wer sein geplantes Quartier Smart Rhino (nach dem Nashorn als Wappentier des Konzerthauses Dortmund) nennt, formuliert damit hohe Ansprüche. Tatsächlich setzt die in Essen ansässige Thelen Gruppe bei der Entwicklung des 52 Hektar großen, einst von der Hosch Spundwand und Profil GmbH genutzten Geländes in Dortmund auf einen umfassenden Ansatz: Wohnen, Arbeiten und Ausbildung sollen intelligent miteinander verzahnt werden, um, so die Absichtserklärung, "in Zukunft Inkubator für Lösungen in der neuen, digitalen Gesellschaft zu sein".
Geplant sind rund 1.400 Wohneinheiten sowie Räume für 7.500 Arbeitsplätze. Dabei strebt der Entwickler eine nahezu autarke Energieversorgung an, in der Abwärme aus dem Kanalsystem sowie grüner Wasserstoff eine wichtige Rolle spielen. Die Mobilität im Quartier will die Thelen Gruppe über eine internetbasierte Mobilitätsplattform steuern und so erreichen, dass der motorisierte Individualverkehr nur halb so umfangreich ist wie an einem vergleichbaren Standort in Dortmund, während sich der Radverkehr verdoppelt. Der Zeitpunkt der Realisierung steht allerdings noch nicht fest: Er hängt davon ab, ob und wann das Land Nordrhein-Westfalen entscheidet, die Fachhochschule Dortmund im Quartier Smart Rhino anzusiedeln.
Wasserkamp, Hildesheim: Blaupause für grünes Wohnen
Hildesheim ist eine wachsende Stadt. 600 bis 700 Wohneinheiten – vom Einfamilienhaus bis zu Geschosswohnungen – sollen ab 2025 im Quartier Wasserkamp, einem heute noch landwirtschaftlich genutzten Gebiet am südlichen Stadtrand, entstehen.
Dabei soll das neue Quartier als "Blaupause für grünes Wohnen" fungieren, wie es das Stuttgarter Beratungsunternehmen Drees & Sommer formuliert, das die Stadt zusammen mit zwei anderen Büros bei der Entwicklung des neuen Stadtteils unterstützt. Bemerkenswert am Projekt sind drei Punkte: Erstens wird das Quartier mit Photovoltaikanlagen und Erdwärme insgesamt mehr Energie erzeugen, als es verbraucht. Zweitens streben die Verantwortlichen ein autoarmes Quartier und eine Stadt der kurzen Wege an, in der alle Orte des täglichen Lebens schnell zu erreichen sind und Quartiersgaragen als Mobilitätshubs dienen. Und drittens bezieht die Stadt ihre Bürgerinnen und Bürger in die Planung mit ein: Schon in der Planungsphase konnten diese ihre Wünsche und Vorschläge im Rahmen eines umfangreichen Beteiligungsverfahrens einbringen.
Freiham, München: Quartiersgarage als Mobility Hub
10.500 Wohnungen, 15.000 Arbeitsplätze – Freiham, der neue Stadtteil im Westen Münchens, ist eine der größten Quartiersentwicklungen Europas. Nach den Plänen der Landeshauptstadt München werden dort zukünftig autonome Busse verkehren. Innovative Mobilitätsformen sind auch ein zentrales Element des gemischt genutzten Projekts ZAM, das die Rosa-Alscher Group und die Deutsche Wohnen SE gemeinsam realisieren und das Silvia Wolf, Head of Acquisition & Development bei der Rosa-Alscher Group, als "Herzstück des neuen Stadtteils" bezeichnet.
"Dabei planen wir", sagt Wolf, "ein Quartier der kurzen Wege, in dem man in einem Radius von fünf Minuten alles vorfindet, was man im Alltag benötigt." Zum Konzept gehört eine Tiefgarage, die als Mobility Hub fungiert. "Sie verbindet verschiedene Mobilitätsformen – Autos, Fahrräder, Roller, aber auch den Lieferverkehr – miteinander und sorgt außerdem durch Neighbourhood Services für Frequenz", sagt Daniel Kardolsky von der Parken Property Partner GmbH, der die Bauherren berät. Dabei mieten die Nutzer keinen festen Stellplatz, sondern sichern sich eine Einfahrtsberechtigung. Kardolsky: "Bedarfsgerechtigkeit ist das Stichwort, und diese wird durch Digitalisierung ermöglicht."
Das ist ein Auszug des Schwepunkt-Beitrags "Auf dem Weg zu smarten Quartier" aus der Ausgabe 05/2023 des Fachmagazins "Immobilienwirtschaft". Lesen Sie das gesamte Heft auch in der Immobilienwirtschaft-App.
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