Deutschland ist in Europa Schlusslicht beim Wohnungsbau

Dem deutschen Wohnungsbau droht in den nächsten Jahren eine fortgesetzte Talfahrt. Die europäische Bauforschungsgruppe Euroconstruct prophezeit in ihrer neuen Prognose jährlich schrumpfende Fertigstellungszahlen bis 2027: Nach geschätzt 250.000 neuen Wohnungen im Jahr 2024 erwarten die Ökonomen in diesem Jahr noch 205.000 Fertigstellungen, und bis 2027 ein weiteres Absinken auf 165.000.
Euroconstruct ist ein Zusammenschluss von Wirtschaftswissenschaftlern aus 19 Ländern – 15 westeuropäischen und vier osteuropäischen. Auf deutscher Seite ist das Münchner Ifo-Institut beteiligt. Der Wohnungsbau schwächelt nicht nur in Deutschland, aber laut Prognose ist in keinem der 14 anderen westeuropäischen Länder bis 2027 eine so schlechte Entwicklung zu erwarten wie hierzulande.
Baukosten verhindern Erholung beim Wohnungsbau
Mit einem erwarteten Einbruch des Wohnungsbaus um 44 Prozent in den Jahren 2023 bis 2027 wäre Deutschland im europäischen Vergleich Schlusslicht – und das auch noch mit erheblichem Abstand zum Vorletzten Österreich (minus 37,3 Prozent). Für die große Mehrheit der westeuropäischen Länder erwartet Euroconstruct nach einem Tiefpunkt in diesem Jahr ab 2026 eine Erholung des Wohnungsbaus.
"In Deutschland verhindern derzeit vor allem die hohen Baukosten eine rasche Marktbelebung", sagte Ifo-Bauexperte Ludwig Dorffmeister. Der Euroconstruct-Prognose zufolge könnte Großbritannien mit geschätzt 210.000 neuen Wohnungen im Jahr 2027 den deutschen Wohnungsbau überholen, obwohl das Vereinigte Königreich rund 15 Millionen weniger Einwohner hat.
"In den nordischen Ländern erholen sich die Märkte nach dem vorangegangenen Einbruch wieder kräftig", so Dorffmeister weiter. In Schweden (plus zwölf Prozent) wird den Angaben zufolge schon 2025 mehr Wohnraum gebaut. Im Jahr 2026 steigen auch in Dänemark (plus 28 Prozent), Finnland (plus 23 Prozent) und Norwegen (plus 13 Prozent) die Fertigstellungen. Ähnlich ist die Entwicklung in Polen (plus zehn Prozent). In Österreich (minus neun Prozent), Frankreich und Italien (jeweils minus drei Prozent) sinkt 2026 die Zahl der errichteten Wohnungen gegenüber 2025.
ZDB: Prognosen zum Wohnungsbau "alarmierend"
Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB), drängt auf einen Neustart in der Baupolitik nach der Bundestagswahl am 23. Februar. Der Wohnungsbau müsse endlich Chefsache werden. Die aktuellen Prognosen zum Wohnungsbau in Europa seien alarmierend. Doch während andere Länder den Turnaround schafften, drohe "bei uns" im kommenden Jahr ein weiteres Minus von 15 Prozent gegenüber 2025.
"Hohe Baukosten, komplexe Genehmigungsverfahren und fehlende Anreize für Investitionen bremsen den Markt aus. Wenn wir den Wohnraummangel in den Griff bekommen wollen, brauchen Bauwillige und die Baubranche dringend wirksame Maßnahmen", so Pakleppa weiter: "Mehr Tempo bei Genehmigungen, gezielte Förderungen und eine Entlastung des Baugewerbes." Außerdem müsse das Bauministerium mehr Befugnisse bekommen und sowohl Neubau als auch Sanierung verantworten. Die Förderpolitik für beide Bereiche gehöre dort in eine Hand.
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