Insolvenzen bei Immobilienfirmen gehen zurück: die Gründe
Die Zahl der Großinsolvenzen in der Immobilienbranche ist im Jahr 2025 um 22 Prozent gesunken. Besonders im Segment Bau zeigt sich laut Falkensteg ein deutlicher Rückgang. Experten sehen darin eine Marktbereinigung – doch von einer nachhaltigen Entwarnung kann keine Rede sein.
Weniger Insolvenzen bei Bau und Projektentwicklung
Rund 2.000 Insolvenzen von Immobiliendienstleistern – 1.092 (minus 2,2 Prozent) im Innenausbau, Bestandshalter und Gebäudedienstleister –, sowie bei Baufirmen und Projektentwicklern (minus 6,4 Prozent auf 938 Fälle) gab es laut Falkensteg-Statistik 2025.
Bei Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als zehn Millionen Euro ging die Zahl gegenüber dem Vorjahr noch deutlicher um 22 Prozent von 72 Fällen auf 56 Fälle zurück. Beim Bau von Immobilien sind die Anträge 2024 in diesem Segment sogar um die Hälfte (minus 52 Prozent) auf 14 Fälle gesunken. Innenausbauer und Bestandshalter machten hingegen eine Seitwärtsbewegung von 43 auf 42 Insolvenzen (minus 2,3 Prozent).
Den Rückgang der Insolvenzen führen die Analysten auf eine umfassende Marktbereinigung zurück. "Viele wirtschaftlich schwächere Marktteilnehmer sind bereits 2024 ausgeschieden, die verbliebenen Unternehmen gehören zu den stabileren Akteuren", so Christian Alpers, Partner und Real Estate Experte bei der Transformationsberatung Falkensteg.
Wo und warum das Insolvenzrisiko hoch bleibt
Dazu kommt laut Falkensteg, dass die rückläufigen Bautätigkeiten zu einer reduzierten Rohbaukapazität am Markt geführt haben. Die Unternehmen nutzten die Zeit, um Kapazitäten zu reduzieren und ihre Kostenstrukturen an die neue Marktlage anzupassen.
Die strukturellen Herausforderungen der Baubranche bleiben bestehen: Hohe Baukosten, Fachkräftemangel und regulatorische Unsicherheiten führen zu einer anhaltenden Spannung im Markt. "Das Insolvenzrisiko für diese Segmente ist perspektivisch weiterhin hoch", schätzt Alpers. Vor diesem Hintergrund steigt der Handlungsdruck auf die Unternehmen.
In der jetzigen Marktphase müssten die Unternehmen wieder aktiv Vertrieb betreiben, rät der Experte, es gehe um die Transformation von einer nachfragegetriebenen zu einer stärker angebotsseitig geprägten Marktbearbeitung, bei der Projekte gezielt an die Anforderungen des Marktes angepasst werden. "Unternehmen, die ihre vertrieblichen Fähigkeiten ausbauen und wieder stärker in den Markt investieren, dürften in der aktuellen Phase besser positioniert sein", so der Real-Estate-Experte.
Ein weiterer Grund für den Rückgang der Insolvenzzahlen basiert Alpers zufolge auf den Erfahrungen aus dem Jahr 2024. Für viele Projektierer in der Immobilienbranche sei die Insolvenz kein geeignetes Sanierungsinstrument. Er hält konsensuale Lösungen und Finanzierungsinstrumente für eine wirtschaftlich sinnvollere Alternative.
Insolvenzen: Erholung durch politische Maßnahmen
Für das Jahr 2026 erwartet Alpers stabile Insolvenzzahlen auf dem Niveau von 2022 mit 30 bis 35 Fällen. Allerdings warnt er davor, dass die Talsohle noch nicht durchschritten sei und von einer echten Erholung nicht gesprochen werden könne.
Seine Empfehlung für Immobilienunternehmen ist deutlich: "Augen zu und durch – Kapazitäten auslasten und die operative Substanz erhalten. Es ist nicht die Phase, um signifikante Erträge zu erwirtschaften". Für eine nachhaltige Markterholung hält Alpers niedrigere Zinsen, bessere politische Rahmenbedingungen für den Bau, Förderprogramme für Konsumenten und eine Entlastung bei den Baustandards für erforderlich.
"Eine Erholung ist ausschließlich durch politische Maßnahmen erreichbar. Solange diese ausbleiben, verharrt die Branche im Krisenmodus", lautet sein nüchternes Fazit.
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