Digitale Reife der Immobilienbranche verzweifelt gesucht
Der digitale Wandel in der Immobilienbranche lässt auf sich warten. Dabei sind die zentralen Herausforderungen in allen Phasen noch deutlich ausgeprägter als in den Vorjahren. Schon beim Aufbau des Geschäftsmodells blockieren die geringe Bereitschaft der Corporates und fehlende Entscheidungsstrukturen neue Lösungen von PropTechs.
Die größte Hürde beim Vertrieb ist der Zugang zum richtigen Ansprechpartner: Für ein Drittel (33 Prozent) der PropTechs ist dabei die mangelnde Bekanntheit das entscheidende Hindernis. Wenn es zum Vertragsabschluss kommt, scheitern Implementierungen in der Praxis an fehlender Businesspriorität und mangelndem C-Level-Push in den Bestandsunternehmen.
Das sind zentrale Ergebnisse des PropTech Germany Studie 2025 des Instituts für Immobilienwirtschaft und -management (IIWM) an der Technischen Hochschule (TH) Aschaffenburg und der Blackprintpartners GmbH.
PropTechs: Personal Branding als Erfolgsfaktor
Die Erfolgsfaktoren von PropTechs sind den Studienautoren zufolge weniger klar als in den Vorjahren, lassen sich aber eindeutig identifizieren: Rund die Hälfte (51 Prozent) der Startups gibt den Zugang zu den richtigen Ansprechpartnern an, gefolgt von einem guten Vertriebsteam (43 Prozent), einer starken Vernetzung in der Branche (40 Prozent). Außerdem sind eine hohe Sichtbarkeit von Marke und Gründungsteam ausschlaggebend für die Umsatzgenerierung.
Die Studie kommt zu der Erkenntnis: Ohne einen durchdringungsstarken Vertrieb und ein aktives Marken- und Personal Branding gelingt keine Skalierung. Bei den Finanzierungsrunden bleiben das Marktpotenzial, das Geschäftsmodell, eine klare strategische Positionierung und die Persönlichkeit der Gründer die wichtigste Erfolgsfaktoren.
PropTechs werden reifer: das bringt Kapital
Trotz stagnierender Marktstimmung steigt der Reifegrad des Sektors. Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der PropTechs befinden sich im laufenden Betrieb, 43 Prozent konnten 2024 Wachstumskapital einsammeln – erstmals mit wieder leicht positiver Entwicklung gegenüber den Vorjahren. Die Dauer von Finanzierungsrunden nimmt allerdings zu. Im Schnitt dauert eine Runde acht Monate, nur rund jedes zehnte (13 Prozent) Startup schließt schneller als in drei Monaten ab.
Das attraktive Marktpotenzial bleibt entscheidend – Proof of Scalability wird verlangt. Weniger als ein Viertel der Finanzierungen wird öffentlich gemacht, obwohl positive Sichtbarkeit essenziell wäre.
ESG-Druck: Nachhaltigkeit als Erfolgsbooster
ESG-Regulatorik entwickelt sich zum stärksten Veränderungstreiber – für die Immobilienbranche und die PropTechs selbst. 59 Prozent der innovativen Startups sehen sich unter starkem Druck durch ESG-Regeln. Das wirkt zunehmend auf Produkte, Vertrieb und Umsatz. 60 Prozent berichten in der Umfrage von mehr Aufträgen, 20 Prozent sogar von deutlich gesteigerten Umsätzen. Nachhaltigkeit wirkt damit klar über den Imagefaktor hinaus und wird zum Erfolgsbooster.
Die aktuelle PropTech Germany Studie zeigt laut Prof. Dr. Verena Rock, Leiterin des IIWM, "einen leichten Rückschritt in der Entwicklung, da die Herausforderungen der PropTechs mit ihren Kunden, der traditionellen Immobilienwirtschaft, zunehmen. Die ermittelten Erfolgsfaktoren könnten den Weg nach vorn ebnen, wenn sie von beiden Seiten beachtet werden.
"Lösungen sind breit vorhanden. Technologie und Innovationen sind bereit – für alle Nutzungsklassen und Wertschöpfungsstufen", ergänzt Sarah Schlesinger, Managing Partner und CEO bei Blackprint. "PropTechs halten der Branche erneut den Spiegel vor." Der Sektor sei reifer denn je. Für die Bau- & Immobilienwirtschaft sei es Zeit ihre F&E-Abteilung – die PropTechs – für den Erfolg zu nutzen.
PropTech Germany Studie: Methodik
Die PropTech Germany Studie analysiert seit dem Jahr 2020 die Entwicklungen in dem Sektor. Der Fokus liegt auf Veränderungen von Marktstimmung, Expansionsaktivitäten und Zugang zu Wachstumsfinanzierung. Die Clusterung der PropTechs erfolgt in den Gruppen "Early Stager", "Grown-Ups" und "Conquerers" (ausländische PropTechs, die nach Deutschland skaliert sind).
Für die sechste Ausgabe der Studie wurden von Februar bis Mai 2025 insgesamt 205 Fragebögen ausgewertet. Die diesjährigen Schwerpunkte: Hürden für PropTechs, Erfolgsfaktoren zur Kundengewinnung sowie der Zugang zu Wachstumskapital. Die Teilnehmer decken den gesamten Immobilienlebenszyklus und sämtliche Nutzungsklassen ab.
PropTech Germany Studie 2025 (Download)
Die Vorgängerstudien:
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