Wo die Jungen und wo Best Ager wohnen wollen
Der Anteil der Haushalte, in denen der Haushaltsvorstand – also die Person mit dem höchsten Nettoeinkommen – unter 30 Jahren ist, beträgt 11,21 Prozent. Den größten Anteil machen mit 37,93 Prozent Senioren (60 Jahre oder älter) aus. Im bundesweiten Durchschnitt ist der Haushaltsvorstand 52,51 Jahre alt.
Das zeigt die neue Studie "NIQ Bevölkerungsstrukturdaten" zur regionalen Verteilung von Familien-, Alters-, Einkommens- und Bebauungsstrukturen in Deutschland. Demnach wird der Haushaltsvorstand in Deutschland insgesamt immer älter – während Universitätsstandorte wie Heidelberg sichtbar machen, wie stark Bildungszentren junge Haushalte anziehen. "Für Handel, Immobilienwirtschaft und kommunale Planung entstehen dadurch sehr unterschiedliche regionale Anforderungen – je nachdem, ob junge oder ältere Haushalte dominieren", sagt Alexandra Deutsch, NIQ-Expertin im Bereich Geomarketing.
Universitätsstädte ziehen junge Haushalte an
Ein Blick auf die "Top 10" der deutschen Stadt- und Landkreise zeigt, dass vor allem Städte mit großen Universitäten bei den jungen Haushalten dominieren. Mit 23,76 Prozent liegt Heidelberg auf dem ersten Platz und 112 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.
Auf Rang zwei folgt Regensburg, wo in 22,46 Prozent aller Haushalte der Haushaltsvorstand unter 30 Jahren ist. In allen Städten der Top 10 liegen die Anteile junger Haushalte mindestens 57 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Am nächsten am Wert von Heidelberg liegt der Alb-Donau-Kreis.
"Top 10" nach Anteil der jungen Haushalte
Rang | Stadt- oder Landkreis | Einwohner | Anteil Haushalte unter 30 Jahre in %* | Index** |
1 | SK Heidelberg | 162.960 | 23,76 | 212,0 |
2 | SK Regensburg | 159.465 | 22,46 | 200,3 |
3 | SK Freiburg im Breisgau | 237.244 | 19,27 | 171,8 |
4 | SK Würzburg | 128.246 | 19,25 | 171,7 |
5 | SK Münster | 322.904 | 19,01 | 169,6 |
6 | SK Erlangen | 117.806 | 18,92 | 168,8 |
7 | SK Jena | 110.791 | 18,92 | 168,8 |
8 | SK Kiel | 248.873 | 18,02 | 160,7 |
9 | SK Mainz | 222.889 | 17,80 | 158,7 |
10 | SK Karlsruhe | 309.964 | 17,69 | 157,8 |
Quelle: NIQ Bevölkerungsstrukturdaten Deutschland 2025 | * nach Alter des Haushaltsvorstands | ** 100 = Bundesdurchschnitt
Insgesamt weisen 105 aller 400 deutschen Stadt- und Landkreise einen überdurchschnittlichen Anteil an jungen Haushalten auf. Die wenigsten jungen Haushalte finden sich in ländlich geprägten Regionen. Das Schlusslicht bildet der Landkreis Spree-Neiße, wo nur 4,92 Prozent der Haushaltsvorstände jünger als 30 Jahre sind.
Seniorenhaushalte: Konzentration auf ländliche Regionen
Die Haushalte, in denen der Haushaltsvorstand 60 Jahre oder älter ist, konzentrieren sich der NIQ-Studie zufolge vor allem auf ländliche Regionen und den Osten Deutschlands – nicht zuletzt, weil jüngere Bewohner in den vergangenen Jahrzehnten verstärkt in wirtschaftlich stärkere Ballungszentren abgewandert sind.
Der Landkreis Spree‑Neiße, der bei den jungen Haushalten den letzten Platz belegt, führt die Rangliste der Seniorenhaushalte an. Dort ist in jedem zweiten Haushalt (50,14 Prozent) die Person mit dem höchsten Nettoeinkommen älter als 59 Jahre. Auch im zweitplatzierten Erzgebirgskreis ist in der Hälfte aller Haushalte der Haushaltsvorstand 60 Jahre oder älter. Beide Kreise liegen rund 29 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.
"Top 10" nach Anteil der Seniorenhaushalte
Rang | Stadt- oder Landkreis | Einwohner | Anteil Haushalte unter 30 Jahre in %* | Index** |
1 | LK Spree-Neiße | 111.966 | 50,14 | 128,9 |
2 | LK Erzgebirgskreis | 326.896 | 50,04 | 128,6 |
3 | LK Vogtlandkreis | 221.953 | 49,67 | 127,6 |
4 | LK Uckermark | 117.803 | 49,54 | 127,3 |
5 | LK Greiz | 95.563 | 49,25 | 126,6 |
6 | LK Lüchow-Dannenberg | 49.209 | 49,12 | 126,2 |
7 | LK Elbe-Elster | 99.931 | 49,02 | 126,0 |
8 | LK Görlitz | 248.479 | 48,93 | 125,7 |
9 | SK Suhl | 36.986 | 48,85 | 125,5 |
10 | LK Oberspreewald-Lausitz | 107.547 | 48,64 | 125,0 |
Quelle: NIQ Bevölkerungsstrukturdaten Deutschland 2025 | * nach Alter des Haushaltsvorstands | ** 100 = Bundesdurchschnitt
Insgesamt verzeichnen 281 von 400 Kreisen einen überdurchschnittlichen Anteil an Seniorenhaushalten. Heidelberg liegt hier mit 28,81 Prozent auf dem letzten Platz und 26 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt.
Zur Studie "NIQ Bevölkerungsstrukturdaten"
Bei den "NIQ Bevölkerungsstrukturdaten" handelt es sich um soziodemografische Daten auf verschiedenen regionalen Ebenen hinsichtlich der Haushaltsstruktur (Ein- und Mehrpersonenhaushalte mit und ohne Kinder), der Altersstruktur (Alter des Haushaltsvorstands) und der Einkommensstruktur (Unterscheidung von neun Einkommensklassen). Auch Daten zur Bebauungsstruktur liegen vor.
Die Daten werden zur Zielgruppenlokalisierung unter anderem von Unternehmen eingesetzt. Die Studie kann für alle deutschen Stadt- und Landkreise, Gemeinden und Postleitzahlgebiete sowie auf Ebene der Stadt- und Ortsteile oder für 2,9 Millionen Straßenabschnitte bei NIQ im Bereich Geomarketing bezogen werden.
Weitere Informationen zu den regionalen Marktdaten von NIQ-GfK
BBSR: Kleine und barrierefreie Wohnungen gefragt
Laut einer Prognose des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) wird die Zahl der Single-Haushalte in Deutschland bis zum Jahr 2045 deutlich steigen: Von 17,6 Millionen (Zensus 2022) auf 18,7 Millionen – das ist ein Plus von sechs Prozent.
Der Anteil der Einpersonenhaushalte an allen Haushalten erhöht sich damit von 42 Prozent auf 44 Prozent. In den Stadtstaaten wird dann sogar mehr als jeder zweite (52 Prozent) von einer alleinlebenden Person geführt.
Der Wohnungsbedarf steige selbst bei stagnierenden Bevölkerungszahlen weiter an, so Studienautorin Dr. Jana Hoymann. "Wir brauchen mehr kompakte Wohnungen für ein bis zwei Personen – vor allem in den großen Städten." Auch immer mehr ältere Menschen werden allein leben. Die Lücke an barrierefreien Wohnungen dürfte sich weiter vergrößern.
Insgesamt rechnet das BBSR mit einem moderaten Anstieg der Haushaltszahl in Deutschland in den kommenden zwei Jahrzehnten von 42 Millionen (Zensus 2022) auf rund 42,6 Millionen im Jahr 2045.
Wachstumsprognose nach Regionen
Wachsen werden vor allem viele Ballungsräume und ländliche Regionen in Süddeutschland, heißt es in der BBSR-Studie. Besonders kräftig wird demnach aber das Wachstum in den Stadtstaaten Hamburg und Berlin ausfallen: Für diese Städte erwarten die Forscher einen Zuwachs um mehr als sieben Prozent.
Deutliche Rückgänge werden in strukturschwachen, überwiegend ländlichen Regionen in Ostdeutschland erwartet, allen voran Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen. Auch einige westdeutsche Regionen – etwa die Saarregion, Teile des Ruhrgebiets und Südniedersachsen – verzeichnen rückläufige Haushaltszahlen.
Die Haushaltsprognose stützt sich auf Daten des Zensus 2022 und bildet eine wichtige Grundlage für den künftigen Wohnungsbedarf und die Infrastrukturplanung. Ein interaktives Dashboard zeigt die Ergebnisse für alle Regionen.
BBSR "Dashboard interaktiv: Entwicklung der Haushaltszahl bis 2045"
Das könnte Sie auch interessieren:
-
Notarvertrag muss 14 Tage vor Beurkundung vorliegen
274
-
So entwickeln sich die Wohnimmobilienpreise bis 2035
107
-
Befristetes "Umwandlungsverbot" bis Ende 2030 verlängert
101
-
Provision bei Vorkenntnis des Käufers? Es kommt darauf an!
58
-
Immobilienprüfung mit ChatGPT – was ist möglich?
53
-
Wohnimmobilien unter dem Hammer: Chance für Neukäufer
39
-
Preise für Eigentumswohnungen steigen wieder
291
-
Wo Babyboomer-Häuser den Markt fluten
27
-
Muster-Widerrufsformular: Risiko für Makler bei Abweichung
23
-
Baunebenkosten in Deutschland am höchsten
23
-
Preisdynamik für Wohnimmobilien lässt nach
31.03.2026
-
Entwicklung der WG-Mieten in den Unistädten
30.03.2026
-
Dunkle Wolken über Dubai
30.03.2026
-
Wo Babyboomer-Häuser den Markt fluten
24.03.2026
-
Energieeffizienz zahlt sich aus für Verkäufer
23.03.2026
-
Preise für WG-Zimmer steigen im Schnitt um 3,9 Prozent
23.03.2026
-
Sorgen am Wohnungsmarkt wegen Regulierungsplänen
20.03.2026
-
Plus bei Baugenehmigungen kann Wohnungsmarkt entlasten
18.03.2026
-
So entwickeln sich die Wohnimmobilienpreise bis 2035
18.03.2026
-
Hybrides Arbeiten tut der Büroauslastung gut
10.03.2026