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Seit einigen Jahren ist KI kein Thema mehr, mit dem sich nur IT-Fachleute ernsthaft beschäftigen. Für HR stellt sich heute eine essenzielle Frage: Wenn HR-Chatbots mit den Beschäftigten kommunizieren, KI-Tools das Recruiting durchführen und Predictive Analytics in Weiterbildungsplattformen die Personalentwicklung übernehmen, spielen HR-Mitarbeitende in der Personalarbeit dann zukünftig noch eine wesentliche Rolle?
Ein Blick auf aktuelle Zahlen gibt zunächst Entwarnung: Unternehmen in Deutschland rechnen mehrheitlich nicht mit einem massiven Stellenabbau durch KI. Rund 67 Prozent der Unternehmen erwarten keine Veränderungen bei der Beschäftigtenzahl, 20 Prozent erwarten einen Rückgang. Und 7 Prozent der Unternehmen rechnen sogar mit zusätzlichen Jobs.[1]
Dass KI die Arbeit der HR-Abteilung beeinflussen wird, darüber ist sich die Mehrheit der HR-Expert:innen (91 Prozent) weltweit einig. Doch was die Implementierung von KI in HR-Prozesse angeht, befinden sich viele Unternehmen in Europa noch in einer frühen Phase der Umsetzung: Bislang kommt generative KI nur in 19 Prozent der HR-Kernprozesse zum Einsatz, und in rund 30 Prozent der Prozesse werden KI-Piloten getestet.[3] Dennoch gehen die HR-Expert:innen davon aus, dass etwa ein Drittel ihrer Aufgaben in Zukunft durch den Einsatz von KI automatisiert werden könnte.[4] Es zeigt sich, dass HR-Mitarbeitende das Veränderungspotenzial der KI in der Personalarbeit als erheblich einschätzen.
Eine Befragung von Randstad und dem Ifo Institut (2025) zeigt, wo Unternehmen KI im HR-Bereich schon heute als besonders nützlich einschätzen – und wo sie künftig großes Potenzial sehen. Derzeit bringt KI den größten Nutzen bei administrativen Prozessen wie Vertragsmanagement und Dokumentenerstellung (44 Prozent). Auf den nächsten Plätzen folgen mit je 25 Prozent die Mitarbeiterkommunikation, z. B. mithilfe von Chatbots oder virtuellen Assistenten, und Recruiting, während Onboarding (13 Prozent) und Personalplanung (10 Prozent) aktuell eine kleinere Rolle spielen. Talentmanagement, Personalentwicklung und die Analyse von Mitarbeiterzufriedenheit sind derzeit noch Randthemen.[5]
Für die nächsten drei Jahre erwarten die Unternehmen, die KI bereits einsetzen, einen noch größeren Nutzen: Der größte Zuwachs wird bei der Personalplanung und -prognose erwartet (von 10 Prozent auf 35 Prozent), gefolgt von Talentmanagement/Personalentwicklung (von 5 Prozent auf 26 Prozent) und der Analysevon Mitarbeiterzufriedenheit (von 9 Prozent auf 28 Prozent). Der Nutzen in administrativen Prozessen bleibt auf hohem Niveau stabil (von 44 Prozent auf 43 Prozent).[6] Damit zeigt sich: KI wird zunehmend strategische HR-Bereiche stärken und nicht nur bei repetitiven Aufgaben unterstützen.
Beschleunigung: Was zuvor unter Umständen einige Stunden in Anspruch genommen hat, schaffen KI-gestützte Tools in wenigen Sekunden. Ob es sich um automatisch generierte E-Mails, die Erstellung von HR-Dokumenten oder Stellenanzeigen handelt – generative KI beschleunigt zeitintensive Prozesse und Arbeitsschritte.
Entscheidungsfindung: Eine große Stärke Künstlicher Intelligenz liegt in der Analyse komplexer Daten und großer Datenmengen. Die Algorithmen erkennen Muster und Trends und sind so in der Lage, Szenarien zu prognostizieren, Zusammenhänge zu analysieren und Risiken zu bewerten. Auf Basis dieser zahlenbasierten Empfehlungen können HR-Verantwortliche fundierte Entscheidungen treffen, z. B. bei der Personalplanung sowie im Leistungs- und Einsatzmanagement.
Personalisierung: Mithilfe von KI lassen sich Verhaltensmuster analysieren und individuelle Präferenzen berücksichtigen. Die KI schafft so Raum für personalisierte Mitarbeiterangebote, beispielsweise durch passgenaue Seminar-Angebote im Bereich der betrieblichen Weiterbildung.
Auch die Automatisierung gehört zu den großen technologischen Entwicklungen, die unseren Arbeitsalltag massiv verändern (werden): Laut McKinsey schätzen HR-Expert:innen, dass rund ein Drittel aller HR-Aufgaben durch den Einsatz von KI automatisiert werden könnte.[7] Da Automatisierung und KI im alltäglichen Sprachgebrauch oft gleichgesetzt werden, nennen wir sie hier im selben Atemzug. Bereits heute gehen Automatisierung und KI Hand in Hand, um automatisierte Prozesse smart zu machen.
Automatisierung spart nicht nur Kosten, stellt geregelte Prozesse und gleichbleibende Qualität sicher. Vor allem reduziert sie mühevollen manuellen Aufwand. Ein großer Vorteil, gerade bei wiederkehrenden Standardtätigkeiten. An den Prozessen rund um verschiedene HR-Dokumente lässt sich das gut veranschaulichen: Mithilfe von Robotic Process Automation (RPA), also robotergesteuerter Prozessautomatisierung, können viele Dokumente voll- oder teilautomatisiert erstellt werden.
Beispiele für RPA im Personalwesen:
Durch den Einsatz von KI, z. B. in Lernplattformen, lassen sich Fähigkeiten von Beschäftigten analysieren. Individuelle, auf sie abgestimmte Entwicklungspläne sind so schnell erstellt. Entsprechende Lerninhalte können personalisiert und auf Grundlage der Fähigkeiten der Beschäftigten ausgespielt werden. Dabei lässt sich auch angemessen berücksichtigen, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Formate brauchen und nicht alle auf die gleiche Weise gleich gut oder schnell lernen.
Muster erkennen – darin ist die Künstliche Intelligenz nahezu unschlagbar. Auch im Recruiting lässt sich diese Stärke nutzen. So kann KI etwa Bewerberprofile auf bestimmte Kriterien prüfen und so eine Vorauswahl geeigneter Bewerbungen herausfiltern. Dieses Prinzip funktioniert optimal, wenn man vor allem Bewerbungen vorliegen hat, auf die sich eindeutige Kriterien anwenden lassen. Allerdings könnten Bewerbungen von Quereinsteiger:innen, die möglicherweise ebenfalls geeignet sind, durch KI-Algorithmen aussortiertwerden, da sie nicht den vordefinierten Kriterien entsprechen.
Auch im Bereich des Active Sourcing unterstützt Künstliche Intelligenz, indem sie z. B. potenzielle Kandidat:innen identifiziert und personalisierte Anschreiben erstellt. Gerade in Zeiten schwieriger und zeitintensiver Rekrutierung aufgrund des Fachkräftemangels stellt sie einenützliche und effiziente Ressource dar.
KI-Systeme sparen im Personalmanagement vor allem bei administrativen Tätigkeiten Zeit und reduzieren potenzielle Fehler, z. B. durch Wegfall von händischen Eingaben. Bei der Personalplanung unterstützt die Technologie, indem sie auf Basis von vergangenen Werten Bedarfsprognosen oderoptimierte Schichtpläne erstellt.
KI und Automatisierung in Kombination wickeln dann z. B. auch das zeitaufwändige Daten- und Dokumentenmanagement effizient und schlank ab. Statt Mitarbeiterdaten händisch zu erfassen und zu verwalten, kann diese Aufgabe weitestgehend automatisiert werden. So beschleunigt die Technologie auch die Erstellung von HR-Dokumenten.
Während die Erwartungen kontinuierlich steigen, sind viele HR-Bereiche noch immer durch fragmentierte Systeme, manuelle Prozesse und mangelnde Digitalisierung geprägt, zeigt der McKinsey HR Monitor 2025.
Doch mehr Effizienz, Geschwindigkeit und eine personalisierte Employee Experience benötigen eine solide technologische Basis. Ohne standardisierte und digitalisierte Prozesse bleibt das Potenzial von Automatisierung und generativer KI weitgehend ungenutzt. Der Bericht zeigt sogar, dass etablierte Instrumente wie Shared Service Center (SSCs) und Self Service-Lösungen in vielen Unternehmen unvollständig implementiert oder nicht konsequent genutzt werden. Das hemmt die Effizienz und verursacht manuellen Mehraufwand in der HR-Abteilung.[8]
Für ein effizientes Zusammenspiel aus zentralisierten Services, KI, Automatisierung und menschlicher Expertise, müssen Unternehmen die Digitalisierung der HR-Funktion konsequent umsetzen und ihre HR-Struktur neu ausrichten.
So vielversprechend die Einsatzmöglichkeiten von KI auch sind: Sie alle müssen auf einer verantwortungsvollen Grundlage erfolgen. Alle Entscheidungen, die die Beschäftigten betreffen, müssen sorgfältig abgewogen sein und bedürfen eines besonderen Fingerspitzengefühls. Und das nicht nur aus rechtlichen Gründen – sondern auch unter unternehmenskulturellen und ethischen Gesichtspunkten.
Für Personalabteilungen ist es deshalb von großem Vorteil, wenn sie in ihrem KI-Anbieter einen verlässlichen Partner finden. Langjährige Branchenkenntnis und Fachexpertise des Anbieters können hier einen Mehrwertschaffen. Denn etablierte Anbieter kennen in der Regel die besonderen Anforderungen von Personaler:innen an Rechtssicherheit und die Notwendigkeit, mit sensiblen Daten verantwortungsvoll umzugehen.
Auch der AI Act der Europäischen Union unterstreicht, wie wichtig der verantwortungsvolle Umgang mit Künstlicher Intelligenz ist. Die Verordnung bildet einen Rechtsrahmen für den Einsatz von KI-Systemen, basierend auf dem Risiko, das das jeweilige System darstellen kann. KI-basierte Software im HR-Bereich wird künftig wohl in vielen Fällen das Label „Hochrisiko-KI-System“ erhalten. Beispielsweise, wenn die Software bewertend und steuernd in die berufliche Bildung eingreift oder Bewerbungen analysiert und filtert. Für Betreiber solcher Hochrisiko-KI-Systeme schreibt der AI Act deshalb in Artikel 26 eine Reihe besonderer Pflichten vor, zum Beispiel:
Klar ist: Die Stärken Künstlicher Intelligenz lassen sich in verschiedenen Bereichen der Personalarbeit sinnvoll einsetzen und nutzen und werden zukünftig mehr und mehr HR-Aufgaben übernehmen. Dem Einsatz der Technologie sind allerdings rechtliche Grenzen gesetzt, zum Beispiel durch den AI Act, aber auch durch die DSGVO.
Und auch abseits der rechtlichen Regeln spricht wenig dafür, dass Menschen in der Personalarbeit durch KI vollständig ersetzt werden. Denn: Künstliche Intelligenz ist nicht in der Lage, die überwältigende Komplexitätder menschlichen Natur vollständig zu erfassen. Menschen lassen sich nicht in starre Kategorien einsortieren, Menschen sind nicht „Typ A oder Typ B“, sie funktionieren nicht nach einem perfekten statistischen Regelwerk. Und Menschen schätzen den Kontakt mit anderen Menschen.
Das gilt es in Zukunft zu berücksichtigen, um eine gute Balance zwischen smarter Automatisierung, Self Service und persönlichem Austausch bei komplexen Themen zu finden. Künstliche Intelligenz wird Personaler:innen in ihrer Arbeit zukünftig immer mehr unterstützen. Den persönlichen Austausch zwischen Menschen kann sie aber nicht ersetzen.
[1] Bitkom, 2026: Künstliche Intelligenz in Deutschland Perspektiven aus Bevölkerung und Unternehmen.
[2] McKinsey & Company, 2025: HR Monitor 2025.
[3] Ebd.
[4] Ebd.
[5] Randstad und ifo Institut, 2025: Randstad-ifo-HR-Befragung. Ergebnisse: 3. Quartal 2025.
[6] Ebd.
[7] McKinsey & Company, 2025: HR Monitor 2025.
[8] Ebd.
Alexandra Carlesso arbeitet als Content Marketing Managerin in der Haufe Group. Mit ihrem Fachwissen rund um Themen wie HR-Management, Digitale Personalakte, New Work, Onboarding und den HR-Chatbot erstellt sie unterschiedliche digitale Medienformate – passend zugeschnitten für alle, die sich mit Personalarbeit beschäftigen.