EZB lässt Zinsen trotz Inflationsangst konstant
Generell gilt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) wegen der Folgen des Kriegs im Nahen Osten vor neuen Herausforderungen steht. Vor allem durch den deutlichen Anstieg der Energiepreise werden die Notenbanker unter Druck gesetzt. Mit der Aussicht auf eine steigende Inflation wird es schwieriger, die Zinsen stabil zu halten.
Trotzdem sieht die Bank derzeit keinen Anlass, die Leitzinsen im Euroraum zu verändern. Der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins bleibt bei zwei Prozent, wie der Rat nach der jüngsten Sitzung am 19.3.2026 mitteilte. "Der Krieg im Nahen Osten hat zu deutlich unsichereren Aussichten geführt. Er hat Aufwärtsrisiken für die Inflation und Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum zur Folge", heißt es.
Bereits zum sechsten Mal in Folge wurden die Leitzinsen nicht angetastet. Zuvor hatte es eine ganze Serie von Senkungen gegeben. Im Frühjahr 2024 lag der Einlagenzins noch doppelt so hoch: bei vier Prozent. Einige Experten vermuten bereits, dass die EZB im Sommer die Zinsen anheben wird.
Immobilienmarktexperten zur EZB-Entscheidung
"Für eine Leitzinserhöhung als Reaktion auf die Eskalation im Nahen Osten und ihre Auswirkungen ist es zum aktuellen Zeitpunkt noch zu früh", kommentiert Prof. Dr. Felix Schindler, Head of Research & Strateg bei HIH Invest, die Entscheidung. Die Dauer des Konflikts sei momentan nicht ausreichend abschätzbar.
Liquidität und Marktgeschehen
Schindler ist der Ansicht, dass sich die Wahrscheinlichkeit für eine Leitzinserhöhung in den kommenden Monaten deutlich erhöht hat; die Kapitalmärkte hätten bereits mit einem Anstieg der langfristigen Renditen reagiert. Das werde auch für die Liquidität und das Marktgeschehen an den Immobilien- und Finanzierungsmärkten in absehbarer Zukunft von entscheidender Bedeutung sein. Zur Sicherung von stabilen Cashflows werde für Investoren die Selektion und Identifikation von resilienten Nutzungsarten und qualitativ hochwertigen Objekten mit bonitätsstarken Mietern in Märkten mit Nachfrageüberhängen stärker an Bedeutung gewinnen.
Bau- und Betriebskosten
"Sollten die Kampfhandlungen im Nahen Osten räumlich und zeitlich begrenzt bleiben, dürften die Auswirkungen für die Immobilienwirtschaft überschaubar sein", meint Francesco Fedele, CEO der BF.direkt AG. Steigende Energiepreise könnten Bau- und Betriebskosten erhöhen, würden aber kaum unmittelbar zu strukturellen Marktverwerfungen führen. Kritischer wäre ein dauerhafter Inflationsimpuls für die Finanzierungskosten.
Gewerbliche Immobilienfinanzierung
In der gewerblichen Immobilienfinanzierung sollten Kreditnehmer die Möglichkeit einer Zinssicherung prüfen, auch wenn die Forwardsätze bereits auf das gestiegene Risiko reagiert haben. Handlungsbedarf entstehe, wenn die eigene Risikoeinschätzung über die des Marktes hinausgehe, so Fedele. Dann könne es sinnvoll sein, sich gegen Zinsanstiege abzusichern. Das gelte insbesondere für Projektentwickler. Auch bei anstehenden Prolongationen sollte die Zinssicherung strategisch mitgedacht werden.
Erhöhtes Risikoniveau und Handlungsdruck
Prof. Dr. Steffen Sebastian, Lehrstuhl für Immobilienfinanzierung am IREBS Institut für Immobilienwirtschaft der Universität Regensburg, teilt mit, dass die Reaktionen auf den Iran-Krieg an den Finanzmärkten überraschend moderat geblieben seien, was für die Immobilien- und Bauwirtschaft vorerst Stabilität bedeute – wenn auch auf erhöhtem Risikoniveau. "Die Kapitalmärkte erwarten zwar ein bis zwei Leitzinserhöhungen, jedoch erst im weiteren Jahresverlauf." Er sieht einen moderaten Anstieg der langfristigen Zinsen, der verlaufe jedoch eher graduell als sprunghaft.
Maximilian Radert, Head of Product Development & Research bei Kingstone Real Estate, sieht das Risikoprofil spürbar verschoben: "Steigende Energiepreise infolge geopolitischer Spannungen erhöhen den Druck in Richtung möglicher Zinserhöhungen, während Zinssenkungen deutlich an Wahrscheinlichkeit verloren haben." Sollten sich die Inflationserwartungen auf erhöhtem Niveau verfestigen, wäre die EZB zum Handeln gezwungen.
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Iran-Krieg, geldpolitische Lage und Bauzinsen
Die Inflation in Deutschland und im Euroraum lag im Februar 2026 bei nur noch 1,9 Prozent. Mit der Eskalation rund um den Iran hat sich die Großwetterlage für die EZB schlagartig verändert. Darauf weist Oliver Kohnen, Geschäftsführer von Baufi24, hin. Aus einer Phase zunehmender Berechenbarkeit sei ein Krisenszenario geworden.
Für die Eurozone drohe ein Szenario, das Notenbanken besonders ungern sehen: schwächeres Wachstum bei gleichzeitig neuem Preisdruck. "Die Erinnerung an die Inflationswelle von 2022 sitzt noch tief", so Kohnen. Über einen Zehnjahreshorizont preisen Investoren inzwischen wieder rund 2,17 Prozent Inflation ein – das wäre der höchste Wert seit 2024 und oberhalb des offiziellen EZB-Ziels. An den Kapital- und Anleihemärkten hat sich entsprechend eine neue Dynamik eingestellt.
Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe hat sich nach Kurszuwächsen von zehn Prozent seit Kriegsbeginn wieder bis an die Drei-Prozent-Marke herangearbeitet. Damit liegt sie dem Zinsexperten zufolge so hoch wie zuletzt im Umfeld des Jahres 2011 – das treibe letztlich auch die Bauzinsen. Für Kredite mit einer zehnjährigen Laufzeit müssen demnach mitunter schon wieder Bauzinsen über der Vier-Prozent-Marke bezahlt werden.
Interhyp rechnet trotz der EZB-Entscheidung am 19. März mittel- bis langfristig mit einem volatilen Umfeld auf erhöhtem Niveau. Jörg Utecht, Vorstandsvorsitzender der Gruppe, ordnet die Situation für Immobilienkäufer ein: "Das aktuelle Zinsumfeld wird stärker von der Geopolitik und den Inflationserwartungen geprägt als von der EZB-Geldpolitik." Einen baldigen Zinsabschwung sieht er nicht.
EZB-Räte deuten Zinserhöhung im April an
Die EZB selbst erwartet als Folge des Iran-Kriegs für 2026 eine Teuerungsrate von durchschnittlich 2,6 Prozent im Euroraum. Das ist deutlich über der mittelfristig angepeilten Marke von zwei Prozent. In den Jahren 2027 (zwei Prozent) und 2028 (2,1 Prozent) wird die EZB ihr Ziel stabiler Preise nach eigener Einschätzung erreichen. Allerdings liegen auch diese Werte etwas über der vorherigen Vorhersage aus dem Dezember.
Nachtrag: "Nach aktuellem Stand ist es denkbar, dass sich die mittelfristigen Inflationsaussichten verschlechtern und die Inflationserwartungen nachhaltig steigen, was eine restriktivere Geldpolitik wahrscheinlich notwendig machen würde", sagte Bundesbankpräsident und EZB-Ratsmitglied Joachim Nagel am 20. März der Nachrichtenagentur Bloomberg. Er fügte hinzu, dass "zuverlässigere Daten hierzu voraussichtlich bereits bei der nächsten Sitzung des EZB-Rats in sechs Wochen vorliegen werden".
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